Ein Wochenende in Baden-Baden: zwischen Belle Époque und moderner Kunst

Ein Wochenende in Baden-Baden: zwischen Belle Époque und moderner Kunst

Baden-Baden ist weit mehr als eine klassische Kurstadt. Als Teil der „Great Spa Towns of Europe“ gehört die Stadt seit 2021 zum UNESCO Welterbe. Die idyllische Kleinstadt am Fuße des Schwarzwalds, in der es erstaunlich viele Fünf-Sterne-Hotels gibt, vereint den Glanz der Belle Époque mit dem kulturellen Angebot einer Weltstadt und einer weltweit geschätzten Badekultur. Ob beim Flanieren durch die Lichtentaler Allee, beim Sehen und Gesehenwerden im „schönsten Casino der Welt“ oder beim Entspannen im heilenden Thermalwasser: Bei einem Wochenende in Baden-Baden kann man den Alltag sofort hinter sich lassen!

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Unterkunft

Das Hubers Hotel (Merkurstraße 9, 76530 Baden-Baden) ist ein kleines, familiengeführtes Hotel mit 25 Zimmern und sehr persönlichem Service. Es liegt in einer ruhigen Seitenstraße und trotzdem sehr zentral: Zu Fuß ist man in wenigen Minuten beim Kurhaus, in der Innenstadt sowie an der Lichtentaler Allee mit ihren vielen Museen.

Die Zimmer sind individuell und sehr komfortabel eingerichtet. Im charmanten Frühstücksraum im Erdgeschoss gibt es jeden Morgen bis 11 Uhr ein umfangreiches Frühstücksbuffet, Eierspeisen werden auf Wunsch frisch zubereitet. Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich außerdem die kleine Bar „Bruder & Schwester“. Wer mit dem Auto anreist, kann einen Garagenplatz dazubuchen. Hier war ich sicher nicht zum letzten Mal. Eine klare Empfehlung!

Das Casino Baden-Baden

Das Casino Baden-Baden (Kaiserallee 1, 76530 Baden-Baden) im geschichtsträchtigen Kurhaus ist zweifellos eines der traditionsreichsten und elegantesten in ganz Europa, Marlene Dietrich bezeichnete es gar als das „schönste Casino der Welt“.

Die Geschichte des Casinos Baden-Baden

Auch wenn es in Baden-Baden bereits im 18. Jahrhundert die Möglichkeit zum Glücksspiel gab, so kam der eigentliche Aufstieg des Casinos 1838 mit der Übernahme durch den Franzosen Jacques Bénazet, der zur gleichen Zeit seine Spielbanken in Paris schließen musste. Sowohl er als auch später sein Sohn Edouard investierten nicht nur in die Spielbank, sondern in ganz Baden-Baden. In ihrer Ära wurden Teile des Kurhauses in prunkvolle Säle nach dem Vorbild französischer Königsschlösser umgestaltet, es entstanden repräsentative Grand-Hotels, die Parkanlage an der Lichtentaler Allee sowie ein reges Kulturleben, das immer mehr internationales Publikum anzog und Baden-Baden zur „Sommerhauptstadt Europas“ werden ließ. Viele Russen kamen in die Stadt, unter ihnen auch Tolstoi und Dostojewski, der das Casino in seinem Roman „Der Spieler“ verewigt hat.

Ein Besuch im Casino: Rien ne va plus!

Der Spielbetrieb im Casino Baden-Baden mit Roulette, Black Jack und Poker beginnt täglich am Nachmittag bzw. frühen Abend und geht bis in die Nacht hinein. Vor den regulären Öffnungszeiten werden stündlich sehr interessante Führungen angeboten, bei denen man einen tollen Einblick bekommt und in den beeindruckenden Räumen auch fotografieren darf, was abends nicht erlaubt ist. Die Führungen sind sehr beliebt, deshalb ist eine Online-Reservierung vorab zu empfehlen. Am Ende der Führung bekommt jeder Teilnehmer über 21 Jahren außerdem einen Gutschein für einen kostenlosen Eintritt ins Casino am Abend.

Für den Eintritt am Abend gibt es einige Punkte zu beachten: Zutritt zum Casino bekommt nur, wer über 21 Jahre alt ist, einen gültigen Personalausweis oder Reisepass vorlegen kann und sich an die vorgegebene Kleiderordnung hält. Auch ohne selbst zu spielen lohnt sich ein abendlicher Besuch im Casino Baden-Baden aber auf jeden Fall! Wir fanden es sehr kurzweilig, durch die pompösen Räume zu schlendern und beim Roulette und Black Jack zuzuschauen. Im Casino gibt es natürlich auch ein Restaurant, einen Club und mehrere Bars, außerdem finden regelmäßig Veranstaltungen wie Lesungen oder Kabarett statt.

Ein Bummel durch die Innenstadt bis zum Neuen Schloss

Direkt vor dem Kurhaus erstreckt sich der gepflegte Kurgarten mit der beeindruckenden Trinkhalle. Besonders sehenswert ist der 90 Meter lange offene Wandelgang mit seinen korinthischen Säulen und Wandgemälden. In der Trinkhalle gibt es eine kleine Ausstellung zur Badetradition in Baden-Baden und den anderen zehn Kurstädten, die 2021 gemeinsam als „Great Spa Towns of Europe“ zum UNESCO Welterbe ernannt wurden. Am Übergang vom Kurgarten in die Innenstadt befinden sich die wunderschönen Kurhaus-Kolonnaden, die 1867/68 nach dem Vorbild der Pariser Einkaufspassagen gebaut wurden und auch heute noch zum Flanieren einladen. Hier findet man viele Juweliere, elegante Boutiquen sowie eine Filiale der wunderbaren Confiserie Rumpelmayer.

Von den Kurhaus-Kolonnaden ist es nur ein Katzensprung bis zum zentralen Leopoldsplatz, von dem die exklusiven Shoppingmeilen Sophienstraße und Lichtentaler Straße abzweigen. Auch die Fußgängerzone Lange Straße mit ihren vielen Geschäften und Cafés ist einen Besuch wert. Von hier führen kleine Gassen und Treppen recht steil nach oben in die historische Altstadt rund um den Marktplatz und die Stiftskirche. In den malerischen, kopfsteingepflasterten Gässchen geht es gleich viel beschaulicher zu als in der trubeligen Fußgängerzone. Aber auch hier gibt es viele schöne Läden und Werkstätten zu entdecken!

Vom Marktplatz gelangt man über die Stiftsgasse und die Schlossstaffeln noch weiter nach oben auf den Florentinerberg mit dem Neuen Schloss. Das Schloss und die Gärten sind zwar in Privatbesitz und daher nicht öffentlich zugänglich, von der Terrasse vor dem Schloss hat man aber eine grandiose Aussicht auf Baden-Baden und die Berge des Schwarzwalds.

Das Festspielhaus

Ein weiteres architektonisches Highlight in Baden-Baden ist das Festspielhaus (Beim Alten Bahnhof 2, 76530 Baden-Baden) ein Stück nordwestlich der Innenstadt: Im neoklassizistischen Gebäude des ehemaligen großherzoglichen Bahnhofs befinden sich heute die Theaterkasse und die Lobby, dahinter, auf dem früheren Gleisbereich, wurde in den 1990er Jahren ein modernes Konzertgebäude errichtet. Das Opernhaus ist heute das größte in Deutschland und für seine hervorragende Akustik bekannt. Mehrmals im Monat werden Backstage-Führungen durch das Festspielhaus angeboten. Doch auch wenn es, wie bei unserem Aufenthalt, gerade keine Führung gibt, lohnt sich zumindest ein Blick in die wunderschöne „Bahnhofshalle“!

Lichtentaler Allee und Museumsmeile

Südlich der Innenstadt schließt sich die Lichtentaler Allee an den Kurgarten an und zieht sich als Parkanlage am Ufer der Oos entlang bis zum Kloster Lichtenthal. Bei unserem Besuch in Baden-Baden kurz vor Weihnachten hat hier natürlich nichts geblüht, aber man kann sich sehr gut vorstellen, wie traumhaft schön dieser Park im Frühling sein muss! Umrahmt ist die Lichtentaler Allee auf beiden Seiten von grandiosen Gebäuden wie dem neobarocken Theater direkt beim Casino oder eleganten Villen und Luxushotels wie dem berühmten Brenners Park-Hotel. In regelmäßigen Abständen führen Fußgängerbrücken mit schmiedeeisernen Geländern über das Flüsschen Oos.

Am westlichen Rand der Parkanlage liegen direkt nebeneinander drei hochkarätige Kunstmuseen: das LA8 (Lichtentaler Allee 8, 76530 Baden-Baden), ein Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, gefolgt von der Staatlichen Kunsthalle (Lichtentaler Allee 8A, 76530 Baden-Baden) und schließlich dem Museum Frieder Burda (Lichtentaler Allee 8B, 76530 Baden-Baden).

Das von dem amerikanischen Architekten Richard Meier entworfene und 2004 eröffnete Museum Frieder Burda ist ein echtes Highlight, sowohl architektonisch als auch künstlerisch. Das moderne weiße Gebäude erinnert an eine große Villa und passt erstaunlich gut zur 100 Jahre älteren Staatlichen Kunsthalle, mit der es durch eine gläserne Brücke verbunden ist. Im Museum werden im Wechsel Werke aus der Privatsammlung Frieder Burdas und Sonderausstellungen zu einem bestimmten Thema oder einem berühmten Künstler gezeigt. Die Sonderausstellungen finden dabei oft in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini in Potsdam statt, meinem Lieblingsmuseum, so auch bei unserem Besuch im Dezember 2025 mit der Ausstellung „Impressionismus in Deutschland — Max Liebermann und seine Zeit“. Im Untergeschoss des Museums befindet sich ein toller Concept-Store.

Entspannung pur: die Thermen

Baden-Baden ist bekannt für sein heilsames Thermalwasser, das aus verschiedenen Quellen aus ungefähr 2.000 Metern Tiefe sprudelt und schon bei den Römern beliebt war. Im Bäderviertel der Stadt gibt es heute zwei sehr unterschiedliche Thermalbäder. Die Caracalla Therme (Römerplatz, 76530 Baden-Baden) ist eine moderne Badelandschaft auf 5.000 m² mit zahlreichen Innen- und Außenbecken, Felsengrotten, Dampfbädern und einer großzügigen Saunalandschaft.

Das danebenliegende Friedrichsbad (Römerplatz, 76530 Baden-Baden) entstand bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und galt damals als eines der schönsten Badehäuser Europas. Auch heute noch beeindruckt das Bad mit einer prächtigen Kuppel, handbemalten Kacheln und Fresken. In dem römisch-irischen Bad durchläuft man einen festgelegten Parcours aus 17 Stationen bestehend aus Warm- und Heißluftbädern, Dampfbädern und Thermalbädern, in denen der Körper zuerst erwärmt und dann wieder abgekühlt wird. Das einzigartige Badeerlebnis dauert ungefähr 3 Stunden, außer mittwochs und samstags ist das Bad textilfrei.

Beim Friedrichsbad befinden sich unter dem Marktplatz die Römischen Badruinen, ein Museum für antike Badekultur. Die wahrscheinlich bereits über 2.000 Jahre alte römische Badeanlage wurde beim Bau des Friedrichbads entdeckt und ist noch sehr gut erhalten. Leider ist das Museum in den Wintermonaten geschlossen, sodass wir die Anlage bei unserem Besuch im Dezember nicht besichtigen konnten.

Essen & Trinken

Wie auch die oben erwähnte Confiserie Rumpelmayer gehört das Café König (Lichtentaler Str. 12, 76530 Baden-Baden) zur familiengeführten Confiserie Gmeiner. In dem wunderschönen, traditionellen Kaffeehaus gibt es eine tolle Auswahl an hervorragenden Kuchen und Torten. Das Café ist sehr beliebt, deshalb muss man am Wochenende nachmittags meist etwas anstehen.

In der Confiserie Böckeler (Lange Str. 40/42, 76530 Baden-Baden) in der Fußgängerzone gibt es eine große Auswahl an hausgemachtem Gebäck und Torten.

Das Leo’s (Luisenstraße 8-10, 76530 Baden-Baden) ist eine echte Institution in Baden-Baden. Es gibt dort sowohl einen Bar- als auch einen Restaurantbereich mit einer kleinen, aber sehr guten Auswahl an Fisch, Fleisch und vegetarischen Gerichten. Eine Reservierung ist zu empfehlen.

Im Ristorante La Gondola (Du-Russel-Straße 2, 76530 Baden-Baden) gibt es sehr leckere Pastagerichte in einer herzlichen, familiären Atmosphäre. An den Wänden hängen wunderbare Bilder aus Venedig.

Tipps & Tricks

Nach Baden-Baden kommt man sehr einfach mit der Bahn. Die Stadt ist sehr gut mit dem Regionalexpress aus Richtung Karlsruhe, Freiburg/Basel und Konstanz zu erreichen. Da der Bahnhof jedoch etwas außerhalb liegt, ist noch eine ca. 15-minütige Busfahrt notwendig (Buslinien 201, 205, 213, 216, 218, 244).

Die Ausstellungen im Museum Frieder Burda sind oft sehr gut besucht. Wer vorab ein Online-Ticket kauft, kann sich am Einlass in einer separaten Schlange anstellen. Inhaber der Breuninger Card bekommen ermäßigten Eintritt ins Museum.

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