Limoges: ein Tag in der Porzellanstadt

Limoges: ein Tag in der Porzellanstadt

Limoges, eine Stadt in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs, ist ein ideales Ziel für ein Wochenende oder einen Tagesausflug aus dem Berry und dem südlichen Loiretal. Die Stadt liegt malerisch an der Vienne und ist vor allem berühmt für ihr Porzellan. Limoges vereint auf charmante Weise mittelalterlichen Flair mit Kunst- und Industriegeschichte und bietet eine tolle Mischung aus alten Fachwerkhäusern, einer jungen kreativen Szene und weltberühmten Manufakturen.

Inhaltsverzeichnis öffnen

Anreise

Limoges liegt an der französischen Autoroute A20, die Vierzon in der Region Centre-Val de Loire mit Montauban nördlich von Toulouse verbindet. Sehr schön ist auch die Anreise mit dem Zug aus Paris, Toulouse oder Bordeaux zum zentral gelegenen Gare des Bénédictins, einem der schönsten Bahnhöfe Frankreichs. Doch auch bei der Anreise mit dem Auto lohnt sich ein kurzer Abstecher zum Bahnhof, um den 1929 eingeweihten Prunkbau mit seiner Kuppel und dem markanten Turm zu bewundern, eine Mischung der Stilrichtungen Neoklassizismus, Jugendstil und Art Déco.

Das Porzellanmuseum Adrien Dubouché

Wer den Namen Limoges hört, denkt meist zuallererst an Porzellan: Die Stadt war bereits im Mittelalter und in der Renaissance ein Zentrum der Emailherstellung und mit der Entdeckung der Kaolinvorkommen im nahegelegenen Saint-Yrieix-la-Perche im Jahr 1768 entstanden hier immer mehr Porzellanmanufakturen. So entwickelte sich Limoges neben Sèvres zu einem der beiden Zentren der Porzellanherstellung in Frankreich. Auch heute noch spielt dieser Wirtschaftszweig eine große Rolle für die Stadt.

Mit dem Musée National Adrien Dubouché (8bis place Winston Churchill, 87000 Limoges) gibt es in Limoges ein äußerst sehenswertes Museum, das über eine der umfangreichsten Porzellansammlungen der Welt verfügt und außerdem Einblick in die Porzellanherstellung bietet.

Das Museum besteht bereits seit 1845 und ist nach dem ehemaligen Museumsdirektor Adrien Dubouché benannt, der die Keramik- und Porzellansammlung des Museums durch mehrere großzügige Spenden deutlich vergrößert hat. Nach Dubouchés Tod wurden sowohl das Museum als auch die von ihm gegründete Kunstgewerbeschule verstaatlicht und zogen in zwei nebeneinander liegende Neubauten, die im Jahr 1900 eröffnet wurden. Die beiden Gebäude, die Elemente aus der industriellen Revolution und dem Jugendstil vereinen, gehören heute beide zum Museum und sind durch eine moderne Glaskonstruktion miteinander verbunden. Alleine schon aufgrund der Architektur, die Alt und Neu miteinander verbindet, ist das Musée National Adrien Dubouché wirklich sehenswert!

Der Rundgang durchs Museum beginnt im modernen Anbau mit einem Film und einer Ausstellung zur Technik der Porzellanherstellung. In der daran anschließenden Ausstellung in den Räumlichkeiten des historischen Museums und der ehemaligen Kunstgewerbeschule kann man die umfangreiche Sammlung an Keramik und Porzellan aus verschiedenen Kulturen von der Antike bis in die heutige Zeit bewundern, bevor schließlich auf einer ganzen Etage eine weltweit einzigartige Sammlung von Limoges-Porzellan zu sehen ist.

Wer etwas mehr Zeit in Limoges hat, kann außer dem Musée National Adrien Dubouché auch mehrere Porzellanmanufakturen besichtigen, die zum Teil auch Workshops anbieten. Einen guten Überblick darüber bekommt man beim Tourismusbüro, entweder vor Ort (12 bd de Fleurus, 87000 Limoges) oder online. Außerdem gibt es am Ufer der Vienne mit dem Four des Casseaux (1 rue Victor Duruy, 87000 Limoges), einem alten Porzellanofen, ein weiteres kleines Museum zur Porzellanherstellung.

Unterwegs im mittelalterlichen Viertel La Cité

Limoges bestand ursprünglich aus zwei verschiedenen Siedlungen, die erst im 18. Jahrhundert zu einer Stadt vereint wurden, und hat deshalb auch zwei mittelalterliche Stadtkerne. Der ältere der beiden, die ehemalige Bischofsstadt La Cité, liegt auf einem Hügel oberhalb der Vienne und wird von der beeindruckenden gotischen Kathedrale Saint-Étienne (place de la Cathédrale, 87000 Limoges) dominiert.

Die Kathedrale Saint-Étienne

Mit dem Bau der Kathedrale wurde bereits 1273 begonnen, jedoch wurde sie erst über 600 Jahre später fertiggestellt. Die drei unteren Stockwerke des Glockenturms stammen noch aus dem romanischen Vorgängerbau, die oberen Stockwerke wurden im Stil der Gotik daraufgesetzt. Sehr sehenswert sind auch das aus Granit gemeißelte Portal Saint-Jean an der Nordseite sowie die Bleiglasfenster.

Die Jardins de l’Évêqué

Im Anschluss an den Besuch der Kathedrale bietet sich auf jeden Fall ein Spaziergang durch die Jardins de l’Évêqué, die Bischofsgärten, an. Die Gärten wurden im 13. Jahrhundert beim Bau des Bischofspalastes angelegt und erstrecken sich über fünf Hektar terrassenförmig bis zur Vienne. Dazu gehören verschiedene Themengärten, darunter ein Garten im französischen Stil mit Teich und Wasserspielen, ein botanischer Garten mit über 1.500 unterschiedlichen Pflanzenarten, ein Garten mit verschiedenen Heil- und Nutzpflanzen sowie ein ökologischer Garten als Nachbildung regionaler Naturlandschaften. Die wunderbar ruhigen Gärten sind der ideale Ort, um mit tollem Blick über die Vienne etwas zu entspannen.

Die mittelalterliche Altstadt

Hinter der Kathedrale laden malerische Gassen mit Kopfsteinpflaster und Fachwerkhäusern, in denen Antiquitätenhändler, Buchläden und zahlreiche Restaurants untergebracht sind, zu einem gemütlichen Bummel ein. Besonders gut hat mir die Rue Haute Cité gefallen, die in einen kleinen Platz mündet.

Östlich der Kathedrale, Richtung Fluss, gibt es mit dem Souterrain de la Règle eine echte Besonderheit zu besichtigen: Unter den mittelalterlichen Gassen liegt ein Labyrinth an Gängen und Gewölbekellern auf mehreren Ebenen! Die unterirdischen Gänge wurden über die Jahrhunderte in den Stein gegraben und dienten als Lagerhäuser und Schutzräume. Nach Voranmeldung kann der Souterrain de la Règle zu bestimmten Zeiten mit einer Führung des Tourismusbüros besichtigt werden. Bei meinem Besuch in Limoges waren die Touren leider schon ausgebucht, für meinen nächsten Besuch in der Stadt steht die Führung aber ganz weit oben auf der Liste.

Die mittelalterliche Stadt Le Château

Der zweite mittelalterliche Stadtkern wurde vom Vicomte von Limoges auf einem Nachbarhügel von La Cité in unmittelbarer Nähe zur Abtei Saint-Martial erbaut und bildete mit ihr zusammen Le Château. Hier entstand nach und nach das sehr sehenswerte Quartier de la Boucherie, das Metzgerviertel.

Das Quartier de la Boucherie

Das historische Metzgerviertel ist wahnsinnig lebendig und beherbergt insbesondere in den wunderschönen Fachwerkhäusern der Rue de la Boucherie viele kleine Geschäfte, Ateliers und Restaurants. Auf dem kleinen Platz an der Rue de la Boucherie steht die malerische Chapelle Saint-Aurélien, die Kapelle der Metzgerzunft. Für einen Bummel durch die malerischen Gassen sollte man sich unbedingt Zeit nehmen, um die vielen schönen Fassaden zu bewundern, wie die der Librairie Nivet (48 rue de la Boucherie, 87000 Limoges), und bei einer Pause auf der Terrasse eines der vielen Restaurants das besondere Flair des Viertels zu genießen.

Les Halles Centrales

Nur ein paar Schritte vom Quartier de la Boucherie entfernt, stehen mitten im Zentrum der historischen Stadt Le Château die Halles Centrales (place de la Motte, 87000 Limoges), die Markthallen von Limoges. Das fantastische Gebäude wurde zwischen 1885 und 1889 erbaut und erinnert mit seiner Konstruktion aus Ziegeln, Metall und Glas sofort an den Stil von Gustave Eiffel. Besonders schön ist auch der Porzellanfries an der Fassade, der aus 328 Tafeln besteht, auf denen die in den Markthallen verkauften Produkte dargestellt sind.

In den Halles Centrales gibt es eine tolle Auswahl an regionalen Produkten, vom berühmten Limousin-Rindfleisch sowie sonstigem Fleisch und Geflügel über Obst und Gemüse bis zu Käse und Feinkost. Sowohl in der Markthalle als auch direkt darum herum gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, die lokalen Spezialitäten vor Ort zu verkosten.

Essen & Trinken

Das Café Feuillette (5 place Saint-Michel, 87000 Limoges) ist eine beliebte Bäckerei und Konditorei in der Nähe der Markthalle im Herzen von Limoges. Hier gibt es eine große Auswahl an frischen Backwaren, süßen Köstlichkeiten und herzhaften Snacks.

Das La Locale (13 rue de la Boucherie, 87000 Limoges) im charmanten Quartier de la Boucherie ist sowohl Café als auch Feinkostgeschäft. Hier gibt es eine Auswahl an kleinen Gerichten und leckeren Kuchen, komplett aus lokalen Zutaten. Außerdem gibt es verschiedene regionale Lebensmittel und Geschenkartikel zu kaufen.

Das neu eröffnete Éclat d’Atelier (41 rue Adrien Dubouché, 87000 Limoges) ist eine originelle Mischung aus Café und Porzellanwerkstatt. Hier kann man nicht nur einen Kaffee und hausgemachten Kuchen genießen, sondern auch eine der Kreationen des Gründers Jérémy Asmont erwerben oder sogar selbst ein Porzellanteil bemalen!

Tipps & Tricks

Beim Tourismusbüro der Stadt Limoges bekommt man vor Ort (12 bd de Fleurus, 87000 Limoges) und online einen guten Überblick über die Sehenswürdigkeiten, aber auch über Praktisches wie Anfahrt und Parkmöglichkeiten. Außerdem bietet das Tourismusbüro einige interessante Führungen an, wie die durch die Unterwelt des Souterrain de la Règle.

Am Ufer der Vienne gibt es einige kostenlose Parkplätze. Ein großer, sehr zentraler und kostengünstiger Parkplatz ist auch der Parking des Champs de Juillet (11 cours Vergniaud, 87000 Limoges) in der Nähe des Bahnhofs, wo man für einen halben Tag 2 Euro Parkgebühr bezahlt.

In der Innenstadt von Limoges verkehrt von Mittwoch bis Samstag von 10 bis 18 Uhr alle 8 Minuten ein kostenloser Shuttlebus. Der Bus stoppt auf Handzeichen und bedient viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten sowie einige der großen Parkhäuser im Zentrum.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

×