Heidelberg: Städtetrip in die romantische Stadt am Neckar

Heidelberg: Städtetrip in die romantische Stadt am Neckar

Heidelberg gilt weltweit als Inbegriff der Romantik und ist deshalb eines der beliebtesten deutschen Reiseziele. Die Stadt am Neckar zieht mit ihrer Kombination aus malerischer Altstadt, einer ehrwürdigen Schlossruine und der üppig grünen Kulisse jedes Jahr Millionen Besucher in ihren Bann. Trotzdem ist die knapp 160.000 Einwohner zählende Stadt kein verstaubtes Freilichtmuseum, sondern wirkt dank ihrer berühmten Universität, der ältesten in ganz Deutschland, wahnsinnig jung, offen und lebendig. Durch die kompakte Größe der Altstadt lassen sich die berühmtesten Sehenswürdigkeiten gut an einem Tag sehen, was die meisten Besucher auch machen, man kann aber auch locker ein ganzes Wochenende hier verbringen!

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Unterwegs in der Altstadt

Heidelberg hat eine sehr gut erhaltene Altstadt, die sich am Südufer des Neckars vom Bismarckplatz bis zum Karlstor zieht. Da die Stadt im 17. Jahrhundert mehrfach zerstört wurde, stammen die meisten Gebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert und geben der Altstadt so ein sehr einheitliches Gesicht. Von West nach Ost wird die Altstadt von der Hauptstraße durchzogen, einer der längsten Fußgängerzonen Europas. Hier gibt es jede Menge Läden und Restaurants — wie in den meisten Innenstädten natürlich hauptsächlich Filialen größerer Ketten, aber auch ein paar sehr empfehlenswerte Cafés (s. Essen & Trinken weiter unten). Bei einem Stadtbummel lohnt es sich auf jeden Fall, auch einen Abstecher in die Seitenstraßen zu machen: Sie sind meist viel weniger überlaufen als die geschäftige Hauptstraße und es gibt noch einige schöne inhabergeführte Läden.

Ungefähr in der Mitte der Hauptstraße liegt der Universitätsplatz mit dem historischen Hauptgebäude der Universität Heidelberg, der sogenannten Alten Universität. Hier befindet sich auch das Universitätsmuseum (Augustinergasse 2, 69117 Heidelberg), das sich mit der Geschichte der ältesten Universität Deutschlands sowie mit einigen dort tätigen Persönlichkeiten beschäftigt, darunter der Chemiker Robert Bunsen und der Physiker Hermann von Helmholtz. Auch die Universitätsbibliothek (Plöck 107-109, 69117 Heidelberg) ein paar Meter weiter ist sehr sehenswert: Das Sandsteingebäude ist eine Mischung aus Renaissance und Jugendstil, die Fassaden sind teils reich verziert. Leider wird das Gebäude aktuell saniert, so dass ein Großteil der Fassade eingerüstet ist.

Geht man weiter nach Osten, dann öffnet sich die Hauptstraße unterhalb des Heidelberger Schlosses hin zu drei schönen Plätzen: dem Marktplatz, dem Kornmarkt und dem Karlsplatz. Hier gibt es zahlreiche Cafés und Restaurants mit Außengastronomie, bei denen man gemütlich in der Sonne sitzen und das einmalige Flair der Stadt auf sich wirken lassen kann.

Am einen Ende des Marktplatzes steht das schöne barocke Rathaus, gegenüber die Heiliggeistkirche (Hauptstraße 189, 69117 Heidelberg), die größte und wichtigste Kirche der Stadt. Der 82 Meter hohe Kirchturm kann im Sommerhalbjahr zu gewissen Zeiten bestiegen werden und soll eine einmalige Aussicht über die Gassen und auf das Schloss bieten. Bei den angegebenen Zeiten sind allerdings auch kurzfristige Änderungen möglich, weshalb wir bei unserem Besuch plötzlich vor verschlossenen Türen standen.

Auf Höhe der Heiliggeistkirche führt die Steingasse zur Alten Brücke, einem der Wahrzeichen Heidelbergs. Die Sandsteinbrücke mit den markanten Bögen verbindet die Altstadt mit dem Stadtteil Neuenheim, von wo aus der „Schlangenweg“ hinauf zum Philosophenweg (s. weiter unten) führt. Auf der Altstadtseite am Südende der Brücke steht noch ein sehr schönes mittelalterliches Brückentor mit Doppeltürmen, das ursprünglich Teil der Stadtbefestigung war. Die beiden Türme stammen aus dem 15. Jahrhundert und sind somit deutlich älter als die Alte Brücke.

Schloss Heidelberg

Südlich der Altstadt thront hoch oben ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, das Heidelberger Schloss. Es ist DIE Sehenswürdigkeit schlechthin in Heidelberg und oft entsprechend überlaufen, trotzdem gehört ein Besuch dort einfach dazu! Empfehlenswert ist jedoch eine Besichtigung in den Randzeiten. Zum Schloss führt vom Kornmarkt aus der stetig ansteigende Burgweg oder der „Kurze Buckel“, ein Fußweg mit über 300 Treppenstufen. Deutlich bequemer geht die Fahrt mit der Bergbahn von der Station Rathaus/Bergbahn beim Kornmarkt, die Hin- und Rückfahrt ist sogar im Schlossticket inbegriffen.

Hier, am Nordhang des Königstuhls mit Blick auf das Neckartal, entstand bereits im 13. Jahrhundert eine befestigte Burg, die über die Zeit zu einem prunkvollen Renaissance-Palast ausgebaut wurde. Allerdings wurde die Anlage, wie auch die Altstadt, im 17. Jahrhundert mehrfach zerstört und wieder restauriert. Nach zwei Blitzeinschlägen im Jahr 1764 ist das Schloss aber teilweise ausgebrannt und wurde schließlich endgültig als Residenz aufgegeben, es ist also eigentlich schon seit Jahrhunderten nur noch eine Ruine und lediglich ein Teil der Gebäude ist noch mehr oder weniger intakt. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde das Heidelberger Schloss später für zahlreiche Maler und Dichter zum Inbegriff der Romantik.

Selbst wenn vieles zerstört wurde, ist die Schlossanlage auch heute noch wirklich imposant. Um den Schlosshof herum gruppieren sich mehrere Gebäude, die in unterschiedlichen Epochen und Baustilen entstanden sind. Besonders beeindruckend finde ich die Fassaden des Friedrichsbaus und des Ottheinrichsbaus. Sehr schön ist auch der Große Altan, die Schlossterrasse hinter dem Friedrichsbau, von wo aus man außerdem eine herrliche Aussicht auf die Altstadt und die Rheinebene bis nach Mannheim hat. Vor dem Durchgang zur Schlossterrasse geht es links leicht bergab zum Fassbau, dem kurfürstlichen Weinkeller. Hier befindet sich das Große Fass, ein riesiges, mehr als 219.000 Liter fassendes Holzfass. Die weiteren noch erhaltenen Innenräume können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Vor der Rückfahrt in die Altstadt oder der Weiterfahrt auf den Königstuhl lohnt sich auf jeden Fall noch ein Spaziergang durch den Schlossgarten bis ganz nach vorne zur Scheffelterrasse. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt mitsamt Schloss und Neckartal. Anders als der Schlosshof ist der Schlossgarten frei zugänglich.

Deutsches Apotheken-Museum

Ebenfalls im Schlossticket inbegriffen ist der Eintritt ins Deutsche Apotheken-Museum, einem Museum zur Pharmaziegeschichte im Ottheinrichsbau, dem Ludwigsbau und dem Apothekerturm des Heidelberger Schlosses. Das Museum hat mich völlig überrascht: Es ist viel größer als angenommen und wirklich interessant gemacht. Teil der Ausstellung sind mehrere vollständige Apothekeneinrichtungen aus unterschiedlichen Epochen sowie viel Wissenswertes über die Entwicklung der Pharmazie und über früher und heute übliche Arzneimittel. Sehr spannend fand ich auch die Sammlung historischer Apothekenwahrzeichen, anhand derer die in Deutschland übliche Namensgebung von Apotheken erklärt wird.

Außerhalb der Altstadt

Königstuhl

Hinter dem Schloss erhebt sich Heidelbergs Hausberg, der 568 Meter hohe Königstuhl. Von hier hat man eine fantastische Aussicht auf Heidelberg und das Neckartal bis zur Rheinebene und dem Pfälzerwald. Außerdem gibt es zahlreiche Wanderwege, einen kleinen Freizeitpark und eine Falknerei.

Auf den Königstuhl gelangt man ganz bequem mit den Heidelberger Bergbahnen: Vom Kornmarkt in der Altstadt führt eine der modernsten Bergbahnen Deutschlands vorbei am Schloss bis zur Molkenkur, nach dem Umstieg geht es mit einer historischen Standseilbahn weiter auf den Königstuhl. Am Wochenende und an Feiertagen kann es bei der Bergfahrt an der Mittelstation jedoch zu längeren Wartezeiten kommen, da die historische Bahn langsamer und weniger häufig fährt als die moderne Bahn.

Wer es lieber sportlich mag, geht vom Schloss aus die „Himmelsleiter“, eine steile Treppe mit über 1.000 Stufen, nach oben zum Königstuhl. Eine weitere Alternative zur Bergfahrt mit der Standseilbahn ist die Fahrt mit der Buslinie 39 vom Bismarckplatz auf den Königstuhl und von dort mit der Bergbahn zurück in die Altstadt. Im Panoramaticket der Heidelberger Bergbahnen (Königstuhl – Altstadt, einfach oder hin und zurück) ist auch der Eintritt zum Schloss inklusive.

Philosophenweg

Auch Heidelbergs bekanntester Wanderweg, der Philosophenweg, bietet eine grandiose Aussicht, diesmal auf den Neckar, die Altstadt und das Schloss mit dahinterliegendem Königstuhl. Der Panoramaweg entstand aus alten Weinbergpfaden und ist nach den Studenten und Professoren benannt, bei denen er schnell sehr beliebt wurde. Wenn der Aufstieg von ungefähr 120 Höhenmetern erst geschafft ist, zieht sich der populärste Teil des Weges nahezu ebenerdig über einen knappen Kilometer. Unterwegs gibt es immer wieder tolle Aussichtspunkte und auch einige Sitzgelegenheiten. Besonders schön Pause machen lässt es sich im mediterran angelegten Philosophengärtchen.

Im Grunde ist es egal, in welcher Richtung man den Philosophenweg geht: Von der Altstadt über die Alte Brücke kommend führt der sogenannte Schlangenweg über Kopfsteinpflaster und viele, teils unebene Steinstufen nach oben zum eigentlichen Wanderweg, während am westlichen Ende die Ladenburger Straße in Neuenheim praktisch nahtlos in den Philosophenweg übergeht (Anfahrt nach Neuenheim mit vielen verschiedenen Bus- und Straßenbahnlinien bis „Brückenstraße“ oder „Bismarckplatz“). Steil ist der Anstieg so oder so, aber es ist eben Geschmackssache, ob man unebene Treppenstufen lieber nach oben oder nach unten geht! Ein Vorteil der Variante Neuenheim – Philosophenweg – Schlangenweg ist jedoch, dass man die ganze Zeit in Richtung Schloss spaziert und somit Heidelbergs Wahrzeichen ständig im Blick hat.

Botanischer Garten der Universität Heidelberg

Ein echter Geheimtipp im Stadtteil Neuenheim ist der Botanische Garten der Universität Heidelberg (Im Neuenheimer Feld 361, 69120 Heidelberg). Er wurde bereits 1593 gegründet und ist damit einer ältesten Botanischen Gärten Deutschlands. Seit über 100 Jahren befindet er sich auf dem Campus Im Neuenheimer Feld bei den Universitätskliniken und ist am besten mit dem Bus zu erreichen (ab Hauptbahnhof mit der Linie 20 oder 31 bis „Campus Im Neuenheimer Feld“ oder „Medizinische Klinik/Chirurgie/Zoo“).

Zur Sammlung des Botanischen Gartens gehören rund 5.000 Pflanzenarten, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind. Besonders beeindruckend fand ich die unter Denkmalschutz stehenden Gewächshäuser mit ihren tropischen und subtropischen Pflanzen wie Bromelien, Kakao- und Papayabäumen sowie riesigen Kakteen. Der Eintritt in den Botanischen Garten ist kostenlos, die Öffnungszeiten der Gewächshäuser richten sich nach den Jahreszeiten. Es gibt auch einen umfangreichen Veranstaltungskalender mit Führungen, Kochkursen und Kreativworkshops.

Essen & Trinken

Das Le Coq (Brückenstraße 17, 69120 Heidelberg) im Stadtteil Neuenheim versprüht den charmanten Flair einer klassischen französischen Brasserie. Das 3- oder 4-Gang-Menü wechselt alle zwei Monate, à la carte gibt es zudem eine kleine Auswahl an französischen Klassikern wie Zwiebelsuppe, Bœuf Bourgignon und Coq au Vin. Reservierung empfohlen.

Im Parsi (Hauptstraße 115, 69117 Heidelberg) in der Heidelberger Fußgängerzone erwartet die Gäste eine feine Auswahl an persischen Spezialitäten. Die Einrichtung ist zwar noch wie in dem traditionellen Brauhaus, das früher wahrscheinlich in den Räumlichkeiten untergebracht war, aber das Essen war sehr gut. Ein weiterer Standort befindet sich in Mannheim.

Die Macaronnerie (Hauptstraße 122, 69117 Heidelberg) ist ein Paradies für Liebhaber des feinen französischen Gebäcks. In der kleinen Manufaktur in der Fußgängerzone werden wie der Name schon sagt farbenfrohe Macarons angeboten, aber auch hervorragende Croissants, Madeleines und weitere französische Spezialitäten. Ein zweiter Standort befindet sich in der Sofienstraße, unweit vom Bismarckplatz.

Das traditionsreiche Café Schafheutle (Hauptstraße 94, 69117 Heidelberg) existiert bereits seit dem Jahr 1832! In dem klassischen Kaffeehaus mit eigener Konditorei gibt es eine riesige Auswahl an Kuchen und Torten, Pralinen und handgeschöpften Schokoladen. Besonders schön sitzt man im ruhigen Innenhof und im angrenzenden Wintergarten.

Im stylishen Frühstückslokal meiks BRUNCH AND BAR (Landhausstraße 3, 69115 Heidelberg) in der Weststadt lässt es sich sehr lecker und gemütlich brunchen. Auf der Karte stehen neben wunderbar angerichteten Eierspeisen süße und salzige Bowls sowie üppig belegte Röstbrote und Bagels. Unbedingt frühzeitig reservieren!

Tipps & Tricks

Das Tarifsystem des ÖPNV im Verkehrsverbund Rhein-Neckar ist ziemlich kompliziert. Für alle, die kein Deutschland-Ticket haben, lohnt es sich deshalb, die myVRN-App zu installieren und die dort angebotenen Luftstreckentickets zu nutzen: Nach Ein- und Auschecken bei jeder Fahrt wird der Fahrpreis auf Basis der kürzesten Strecke berechnet und so der günstigste Preis ermittelt, selbst über mehrere Tage hinweg.

Einen guten ersten Eindruck von der Altstadt, dem malerischen Neckar und den umliegenden Bergen des Kleinen Odenwalds bekommt man bei einer 50-minütigen Schifffahrt mit der Weißen Flotte. Die Rundfahrten werden im Sommerhalbjahr mehrmals täglich angeboten und starten an der Stadthalle (Neckarstaden 25, 69117 Heidelberg).

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