Tromsø im Winter: ein Kurztrip in die Arktis

Tromsø im Winter: ein Kurztrip in die Arktis

Bei einer Reise im Winter in eine Gegend nördlich des Polarkreises denkt man unwillkürlich an Kälte und Dunkelheit. Und natürlich ist es dort im Winter kalt, es kann recht viel Schnee liegen und es gibt von November bis Januar jeden Tag maximal ein paar Stunden Dämmerlicht — aber dafür ist der Himmel tagsüber oft wunderbar golden oder rosa gefärbt, nachts kann man mit etwas Glück Polarlichter bewundern und man hat die Chance, Wale und Rentiere zu sehen. Zudem ist Tromsø eine sehr lebendige Stadt mit viel Kultur, tollen Restaurants und Cafés, und das Ganze vor einer traumhaften Kulisse aus Fjorden und schneebedeckten Bergen. Die Gegend ist also auch im Winter auf jeden Fall eine Reise wert!

Das beleuchtete Tromso mit der Eismeerkathedrale in einer Winternacht, gesehen vom Ufer beim Radisson Blu Hotel
Tromsø bei Nacht mit der Ishavskatedralen
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Anreise nach Tromsø

Tromsø wird mehrmals täglich von Oslo und anderen norwegischen Städten angeflogen, besonders im Winterhalbjahr gibt es aber auch einige Direktverbindungen aus verschiedenen deutschen Städten. Der Flughafen liegt nur 5 km außerhalb des Zentrums und ist bequem in 15-20 Minuten mit dem Stadtbus 26, 40 oder 42 sowie mit dem Flughafen-Expressbus zu erreichen. Der Flughafen-Expressbus hält direkt am neuen Terminal, zur Haltestelle der Stadtbusse musste man im November 2023 durch das Parkhaus am Terminal zur gegenüberliegenden Straße.

Außer mit dem Flugzeug kommt man nach Tromsø natürlich auch per Schiff: zweimal täglich wird der Hafen von den Postschiffen der Reedereien Hurtigruten und Havila angelaufen, die das ganze Jahr über zwischen Bergen im Süden und Kirkenes an der russischen Grenze pendeln.

Ein beleuchtetes Schiff der Hurtigruten, dahinter die beleuchtete Stadt und der Hausberg von Tromso, der Storsteinen
Ein Schiff der Hurtigruten im Hafen von Tromsø

Unterkunft

Tromsø bietet eine große Auswahl verschiedener Hotels skandinavischer und internationaler Ketten. Einen guten Überblick bekommt man auf der Website Visit Tromso (siehe Tipps & Tricks weiter unten).

Ich habe mich bei meinem 5-tägigen Aufenthalt für das Radisson Blu Hotel (Sjøgata 7) entschieden und war damit sehr zufrieden. Das recht große Hotel liegt im Zentrum direkt am Wasser und hat 269 Zimmer in unterschiedlichen Größen und Kategorien. Da ich alleine unterwegs war, habe ich die kleinste Zimmerkategorie gebucht, ein „cozy small room“. Das nur 12 m² große Zimmer war perfekt eingerichtet und so richtig zum Wohlfühlen! Auch das Frühstücksbuffet war hervorragend. Zum Hotelkomplex gehört außerdem noch eine Pizzeria und ein Pub mit Live-Musik.

Morgendlicher Blick über den Hafen von Tromso und Teile der Tromsobrua, der Ausblick aus einem Zimmer im Radisson Blu Hotel
Der Ausblick aus meinem Zimmer im Radisson Blu Hotel

Auf der Suche nach dem Nordlicht

Die meisten Reisen im Winter nach Tromsø werden sicherlich deshalb gebucht, um dort Polarlichter zu sehen. Durch die perfekte Lage der Stadt mitten im Nordlicht-Gürtel wird Tromsø auch oft die „Nordlicht-Hauptstadt der Welt“ genannt. Tatsächlich stehen die Chancen zwischen September und Anfang April ziemlich gut, dieses beeindruckende Naturschauspiel beobachten zu können, selbst bei recht niedriger Sonnenaktivität. Es muss lediglich dunkel genug und (einigermaßen) wolkenlos sein. Zur Sicherheit sollte man aber trotzdem mehrere Nächte dort bleiben!

Bevor man sich auf die Nordlicht-Suche macht, lohnt ein Blick auf die Nordlicht-Vorhersage, beispielsweise auf der Website Norway Lights. Gut per Bus erreichbare, stadtnahe Plätze für das Naturschauspiel sind die Telegrafbukta an der Südspitze der Insel Tromsø (Stadtbus 33 bis „Telegrafbukta“ oder Stadtbus 40 bis „Tromsø museum“) und der Hausberg Storsteinen (Stadtbus 26 bis „Fjellheisen“, von dort mit der Bergbahn hoch).

Außerdem gibt es natürlich zahlreiche professionelle Veranstalter, die Nordlicht-Touren verschiedenster Art anbieten. Einen guten Überblick inkl. Buchungsmöglichkeit bekommt man vor Ort bei der Tourist-Info oder auf ihrer Website Visit Tromso. Die Touren sind nicht billig, dafür wird man bei nicht optimalen Wetterverhältnissen zum Teil aber auch weit raus aus der Stadt gefahren, so dass die Chancen dann trotzdem gut stehen. Ich habe bei meinem Aufenthalt im November 2023 zwei solcher Touren gebucht, eine mit Rødne Fjord Cruise auf einem großen, komfortablen Katamaran mit Aussichtsplattform und eine im Minibus mit Tromsø Friluftsenter. Mit beiden Touren war ich sehr zufrieden!

Bei der ersten Tour war die Sonnenaktivität eher schwach und ich hätte ohne Tourguide die Polarlichter gar nicht wahrgenommen, mit seiner Unterstützung und durch die Kamera waren sie dann aber sehr gut zu erkennen. Die zweite Tour mit Tromsø Friluftsenter war rundum ein unvergessliches Erlebnis. Da sowohl das Wetter als auch die Sonnenaktivität sehr gut waren, waren wir im tiefverschneiten Camp des Veranstalters auf der Nachbarinsel Kvaløya, haben dort bunt tanzende Nordlichter gesehen und konnten uns immer wieder in der Hütte am Feuer bei warmen Getränken aufwärmen. Der Veranstalter stellt außerdem Stative für Handy und Kamera zur Verfügung und macht professionelle Fotos von allen Teilnehmern und den Nordlichtern. Ein wirklich einmaliger Abend und absolut zu empfehlen!

Ein Tag bei den Samen

Ein weiteres Highlight meiner Reise nach Tromsø war der Besuch im Rentier-Camp von Tromsø Lapland. Nach einer ungefähr 45-minütigen Busfahrt durch die wunderschöne Winterlandschaft nach Nordwesten Richtung Lyngen-Alpen, kann man in kleinen Gruppen einige Zeit bei der Rentierherde verbringen und diese füttern, bevor es auf eine 30-minütige Rentier-Schlittenfahrt geht. Anschließend gibt es in einer traditionellen Hütte warme Getränke und „Biddos“, den typischen Rentiereintopf. Man erfährt außerdem viel über Kultur und Geschichte der Samen, sieht typische Kleidung und Kunsthandwerk und darf jederzeit Fragen stellen.

Winterlandschaft im Tromso Lapland Reindeer Camp mit Rentierschlitten, schneebedeckten Bergen und rötlichen Wolken
Das Tromsø Lapland Reindeer Camp etwa 45 Minuten außerhalb der Stadt

Walbeobachtung

Zwischen November und Januar gibt es ein weiteres ganz besonderes Naturerlebnis in der Gegend um Tromsø: Wale! Seit einigen Jahren verbringen verschiedene Walarten wie Buckelwale, Orcas und Finnwale drei bis vier Monate in den heringsreichen Fjorden der Arktis nordöstlich von Tromsø, meist in der Nähe von Skjervøy. Von Tromsø aus werden täglich verschiedene Walbeobachtungstouren angeboten, entweder mit dem Schiff oder als Kombination aus Bus und Schiff. Bei meinem Aufenthalt im November 2023 habe ich mich für eine Bootstour mit Brim Explorer entschieden, da dieser Anbieter Wert darauf legt, die Wale so wenig wie möglich zu stören und daher mit einem sehr leisen Hybridschiff unterwegs ist und genügend Abstand zu den Tieren hält.

Während der 2- bis 3-stündigen Fahrt durch die traumhafte Winterlandschaft zu den Walen erfährt man von den Guides viel über die Arktis und die verschiedenen Walarten. Zum Zeitvertreib gibt es außerdem einige Bücher, Bildbände und Spiele. In der Gegend um Skjervøy angekommen, wird auf Elektroantrieb umgeschaltet und die Crew hält Ausschau nach Walen. Bei meiner Tour wurden dann sehr schnell Finnwale gesichtet. Das komfortable Schiff bietet auf verschiedenen Decks genügend Platz für alle und auch von drinnen hat man durch die Panoramafenster eine gute Aussicht. Da das Schiff zum Schutz der Wale jedoch Abstand hält, ist ein Fernglas empfehlenswert, um die Tiere noch besser beobachten zu können.

Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Neben den ganzen bereits beschriebenen Naturerlebnissen sollte man aber auf jeden Fall auch noch etwas Zeit für Tromsø selbst einplanen. In der Universitätsstadt gibt es einige sehenswerte Museen, nette Geschäfte und ein überraschend großes kulinarisches Angebot. Einen oder zwei Tage kann man hier leicht verbringen. Fortbewegen kann man sich im Stadtzentrum selbst bei Schnee und Eis ganz unbeschwert: große Teile der Fußgängerzone haben tatsächlich eine Fußbodenheizung!

Die Tromso Domkirke im Stadtzentrum bei Nacht und Schnee
Tromsø Domkirke, eine der nördlichsten Kathedralen der Welt

Architektonische Highlights

Da die Stadt anders als die meisten nordnorwegischen Städte im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, kann man im Zentrum noch einige alte Gebäude bewundern. Dazu gehört die 1861 erbaute Tromsø Domkirke, eine der nördlichsten Kathedralen der Welt und komplett aus Holz gebaut. Nördlich des Hafens, hinter dem Polarmuseum, sind noch einige Holzhäuser erhalten, die bereits aus dem 18. Jahrhundert stammen. Als Kontrast dazu gibt es gleich um die Ecke, in der Søndre Tollbodgate, beeindruckende Streetart zu sehen. Ein wirklich tolles modernes Gebäude ist die Stadtbibliothek von Tromsø mit ihren riesigen verglasten Fronten, in denen sich die Umgebung wunderschön spiegelt. Die architektonische Sehenswürdigkeit schlechthin ist aber die Ishavskatedralen, die „Eismeerkathedrale“ auf der anderen Seite des Tromsøsund. Die 1965 erbaute Kirche erinnert mit ihrer Dreiecksform an eine Bergkette und ist vor allem in der Dunkelheit beeindruckend, wenn sie wunderbar beleuchtet wird.

Museumslandschaft

In Tromsø gibt es eine sehr gute Auswahl an interessanten Museen, auch hier bekommt man wieder einen guten Überblick auf der Website Visit Tromso. Ein sehr empfehlenswertes Museum ist das Norges Arktiske Universitetsmuseum, auch Tromsø Museum genannt. Das Museum liegt im Süden der Insel Tromsø in der Nähe der Telegrafbukta und ist gut mit dem Bus zu erreichen (Stadtbus 33 bis „Telegrafbukta“ oder Stadtbus 40 bis „Tromsø museum“). Hier lernt man alles über die Natur und Tierwelt im hohen Norden. Ganz besonders sehenswert fand ich aber die Ausstellungen zur Kultur der Samen und der Polarlichtforschung.

Im zum Universitätsmuseum gehörenden Polarmuseum (Kombiticket erhältlich), untergebracht in alten Zollgebäuden aus dem 19. Jahrhundert im Stadtzentrum direkt am Hafen, lernt man in sehr gut gemachten Ausstellungen einiges über die Expeditionen berühmter Polarforscher, das Leben in der Arktis und die Kulturgeschichte der Insel Spitzbergen.

Ein weiteres Museum zum Thema Arktis ist das Polaria südlich des Stadtzentrums. Schon architektonisch ist das Museum sehenswert, denn passend zu den Ausstellungen erinnert das Gebäude an ineinandergeschobene Eisschollen. Zu sehen ist hier eine sehr interessante Ausstellung über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben in der Arktis, außerdem werden auf einer Panoramaleinwand Filme über die Insel Spitzbergen, Nordlichter und die Arbeit im Polaria gezeigt. Die Publikumsmagnete sind aber Bartrobben und Seehunde, die man auch aus einem Glastunnel beobachten kann. Aktuell wird für sie ein neuer, deutlich größerer Pool gebaut, der Anfang 2025 eröffnet werden soll.

Eine vollkommen andere Ausstellung gibt es bei Magic Ice zu sehen. In dieser Kunstgalerie und Bar ist alles komplett aus Eis hergestellt, entsprechend kalt ist es dort auch! Am Eingang bekommt man jedoch einen dicken Poncho und Handschuhe und kann dann die Eisskulpturen bewundern, die die Geschichte der ersten Polarforscher erzählen. Dazu gibt es ein Willkommensgetränk an der Bar, stilecht in einem Glas aus Eis.

Essen & Trinken

In Tromsø gibt es eine überraschend große Auswahl an tollen Restaurants und Cafés! Sehr gut gefallen hat mir das Bardus Bistro & Bar (Cora Sandels gate 4) gegenüber der Stadtbibliothek. Die kleine Speisekarte wechselt regelmäßig und bietet regionale Gerichte wie Kabeljau oder Heilbutt, aber auch Elch oder Rentier. Unbedingt noch Platz lassen fürs Dessert! Reservierung empfohlen.

Auch im Restaurant Full Steam (Søndre Tollbodgate 3), am Hafen neben dem Polarmuseum, werden regionale Fisch- und Fleischgerichte serviert. Im selben Gebäude gibt es außerdem Ausstellungen zur Seefahrtsgeschichte, den Samen und Polarlichtern.

Im Vertshuset Skarven (Strandtorget 1) sind fünf verschiedene Restaurants untergebracht. Der Pub Skarven Kro im Erdgeschoss ist ein wirklich nettes Selbstbedienungsrestaurant. Auf der Karte stehen Suppen, Salate und Burger, aber auch ein paar Fischgerichte.

Für eine kleine Mahlzeit zwischendurch sollte man unbedingt die Hot Dogs in der Raketten Bar & Pølse (Storgata 94B) probieren. In der „kleinsten Bar der Welt“ (die allerdings auch nur bis 19 Uhr geöffnet hat) gibt es wirklich leckere Rentier Hot Dogs mit verschiedenen Toppings nach Wahl.

Das Smørtorget (Fredrik Langes gate 9) ist ein recht großes, aber trotzdem sehr gemütliches Café mit angeschlossenem kleinen Second-Hand-Shop. Es gibt dort leckere hausgemachte Kuchen und Backwaren, aber auch eine kleine Mittagskarte.

Die kleine Kaffeebar Risø mat og kaffebar (Strandgata 32) unweit der Kathedrale hat hervorragende belegte Brote und Backwaren im Angebot, außerdem wirklich guten Kaffee.

Tipps & Tricks

Die Website Visit Tromso ist fantastisch! Man bekommt einen super Überblick zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Aktivitäten zu jeder Jahreszeit in der ganzen Region. Außerdem kann man entweder in der Tourist-Info vor Ort oder direkt auf der Website viele verschiedene Aktivitäten mit unterschiedlichen Anbietern buchen. Hier habe ich mich bereits bei der Planung meiner Reise informiert und letztendlich auch sämtliche Aktivitäten gebucht.

Tromsø hat ein recht gut ausgebautes Busnetz, so dass auch Ziele außerhalb des Zentrums wie beispielsweise der Flughafen, das Tromsø Museum oder die Talstation der Bergbahn Fjellheisen leicht zu erreichen sind. Für alle Ziele innerhalb von Tromsø benötigt man ein Ticket für eine Zone, das am Fahrkartenautomaten oder über die App Svipper gekauft werden kann. Es gibt auch ein 24-Stunden-Ticket, das sich ab drei Fahrten lohnt.

Da in Tromsø noch die Ausläufer des Golfstroms zu spüren sind, sind die Temperaturen für die Lage nördlich des Polarkreises relativ mild. Mitteleuropäische Winterkleidung im Zwiebellook ist daher meist ausreichend. Die Stadt ist aber auf Touristen von überall her eingestellt und man kann beispielsweise bei Tromsø Outdoor Winterkleidung, Winterstiefel, Mützen und Handschuhe leihen. Da im Winter zum Teil recht viel Schnee liegt, sind Winterstiefel mit gutem Profil notwendig, je nach Wetterlage und Aktivität eventuell auch Spikes.

Für längere Aufenthalte draußen, wie nachts auf der Suche nach Polarlichtern, sind Hand- und Fußwärmer sehr zu empfehlen! Die Wärmepads, z.B. von The Heat Company, halten mehrere Stunden warm und sind überall in Tromsø zu kaufen, aber auch in vielen Sportgeschäften in Deutschland.

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