
Berlin mal anders: Tipps abseits der Touristenpfade
In Berlin gibt es so viel zu entdecken, dass ein einziger Aufenthalt niemals ausreicht. Auch wenn man wie ich schon öfter in der deutschen Hauptstadt war, gibt es abseits der allbekannten Sehenswürdigkeiten wahnsinnig viel zu sehen und vor allem auch immer wieder Neues! Egal ob Kultur, Geschichte, Kulinarik oder Shopping, hier kommt jeder auf seine Kosten. Berlin ist wirklich immer eine Reise wert!


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Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum
Rotes Rathaus
Am Roten Rathaus (Rathausstraße 15, 10178 Berlin), einem markanten Gebäude aus roten Ziegelsteinen in der Nähe des Alexanderplatzes, kommt wahrscheinlich jeder Berlin-Besucher vorbei. Der Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin kann aber auch öffentlich besichtigt werden! Das auffällige Gebäude wurde zwischen 1861 und 1869 erbaut und nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert. Von den fast 250 Räumen sind einige sehenswerte Räume von Montag bis Freitag (außer bei Veranstaltungen) frei zugänglich. Über den beeindruckenden Treppenaufgang mit rotem Teppich gelangt man durch ein hübsches Foyer in den Wappensaal, in dessen Fenster die Wappen aller Berliner Stadtbezirke eingearbeitet sind. Direkt dahinter liegt der Große Festsaal, der größte Raum des Rathauses. Geht man durch die Arkaden oben im Treppenhaus, so kommt man in den besonders schönen, neun Meter hohen Säulensaal mit seiner orangefarbenen Decke und den vielen Büsten Berliner Bildhauer aus den Jahren 1790 bis 1850.






Nikolaiviertel
Auch wenn das Nikolaiviertel mitten in Berlin liegt, wird es von Besuchern oft übersehen. Das idyllische Viertel mit den engen Gassen und mittelalterlich aussehenden Häusern wurde im Zweiten Weltkrieg zwar weitgehend zerstört und erst zwischen 1981 und 1987 wiederaufgebaut, trotzdem bekommt man einen guten Eindruck davon, wie Berlin früher einmal ausgesehen haben muss. Im Zentrum des Viertels steht die 1230 gegründete Nikolaikirche, die heute Teil des Stadtmuseums ist. Ebenfalls zum Stadtmuseum gehören das Ephraim-Palais (Poststraße 16, 10178 Berlin) und das Knoblauchhaus (Poststraße 23, 10178 Berlin), in denen man Einblick in die Berliner Kultur und in eine großbürgerliche Wohnung bekommt.



„Die Mauer“ — Panorama von Yadegar Asisi
Direkt am sehr touristischen Checkpoint Charlie und doch etwas abseits findet man das Mauer-Panorama (Friedrichstraße 205, 10117 Berlin) des Künstlers Yadegar Asisi. Das beeindruckende Panoramabild stellt Alltagsszenen der 1980er Jahre im West-Berliner Stadtteil Kreuzberg dar, in unmittelbarer Nähe zur Mauer und dem Todesstreifen. Die heute unwirklich erscheinende Situation der getrennten Stadt mit Mauer, Stacheldraht, Flutlicht und bewaffneten Soldaten wird so etwas besser vorstellbar. Das Besondere ist, dass Asisi diesen Alltag so selbst erlebt hat, und zwar auf beiden Seiten der Mauer! Ergänzt wird das Panorama durch viele Fotos aus der Zeit zwischen Mauerbau und Mauerfall sowie durch einen berührenden Film über Asisis Leben in der DDR und der BRD.


Espresso-Konzert im Konzerthaus Berlin
Am Gendarmenmarkt, einem der schönsten Plätze Berlins, steht das prunkvolle Konzerthaus (Gendarmenmarkt 2, 10117 Berlin). Bereits im 18. Jahrhundert stand hier ein Theater, das nach einem Brand 1821 nach einem Entwurf von Berlins berühmtestem Architekten Karl Friedrich Schinkel neu errichtet wurde. Auch dieses Schauspielhaus wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört und erst 1984 als Konzerthaus wiedereröffnet. Das Äußere des Gebäudes ist dem alten Schauspielhaus von Schinkel nachempfunden, das Innere wurde im klassizistischen Stil neu gestaltet. Neben „normalen“ klassischen Konzerten finden hier auch ungewöhnlichere Formate statt. Beispielsweise gibt es jeden Mittwoch am frühen Nachmittag ein „Espresso-Konzert“ mit einem 45-minütigen Überraschungsprogramm junger Musiker und einem Espresso vor oder nach dem Konzert.


Führung durch die Staatsoper Unter den Linden
Die denkmalgeschützte Staatsoper Unter den Linden (Unter den Linden 7, 10117 Berlin) ist eines der schönsten Gebäude an dem Prachtboulevard in Berlin-Mitte. Das Opernhaus wurde bereits 1741 bis 1743 auf Wunsch Friedrichs des Großen errichtet und war damals das größte in Europa. Nachdem das Gebäude im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde, wurde es in den 1950er Jahren wiederaufgebaut. Auch ohne eine Vorstellung zu besuchen, kann das sehenswerte Gebäude besichtigt werden. Sowohl an Wochenenden und Feiertagen als auch regelmäßig spätabends nach einer Vorstellung finden Führungen statt. Dabei kommt man nicht nur in die wunderschönen Foyers und Säle wie den Apollosaal, sondern auch hinter die Bühne und erfährt viel über die beeindruckende Technik sowie den Betrieb eines so großen Opernhauses.






Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin
In der Nähe des Tiergartens in Charlottenburg befindet sich die 1763 von Friedrich dem Großen gegründete Königliche Porzellan-Manufaktur (Wegelystraße 1, 10623 Berlin). Die öffentlichen Ausstellungsräume können mit Audioguide oder im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Es finden aber auch zweimal im Monat Führungen durch die Manufaktur statt — ein absolutes Highlight! Man lernt dabei jeden einzelnen Fertigungsschritt kennen und kann die Handwerkenden bei ihrer Arbeit beobachten. Hier wird immer noch nahezu ausschließlich in Handarbeit gefertigt und selbst für eine recht schlichte weiße Kaffeetasse sind 29 Arbeitsschritte erforderlich! Danach ist auch klar, warum echtes Porzellan so teuer ist! Vor Ort gibt es außerdem einen KPM Shop inklusive einer großen Auswahl an zweiter Sortierung und ein Café.







Sehenswürdigkeiten in den Außenbezirken
Schloss Glienicke
In einem Park an der Havel, direkt an der Glienicker Brücke und damit der Grenze zu Potsdam, steht das bezaubernde kleine Schloss Glienicke (Königstraße 36, 14109 Berlin, erreichbar mit Bus 316 ab S-Bahnhof Wannsee). Das ehemalige Gutshaus wurde 1823 vom Architekten Karl Friedrich Schinkel in eine italienische Villa im klassizistischen Stil verwandelt. Die Wohnräume im Obergeschoss des Schlosses sind in kräftigen Farben und mit edlen Möbeln, Gemälden und Kronleuchtern dekoriert. Im Westflügel ist das Hofgärtnermuseum mit Ausstellungsstücken zur preußischen Gartenkunst untergebracht. Schloss Glienicke gehört zum UNESCO-Welterbe Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin und kann im Sommerhalbjahr täglich außer montags und im Winterhalbjahr am Wochenende mit einer Führung besichtigt werden.
Auch ein Spaziergang durch den von Peter Joseph Lenné angelegten Park mit seinen Laubengängen, der Löwenfontäne und den Aussichtspavillons, der Kleinen und Großen Neugierde, lohnt sich.





Liebermann-Villa
Ein ganz wunderbarer Ort direkt am Wannsee ist das ehemalige Sommerhaus des impressionistischen Malers Max Liebermann. Die Villa wurde 1909 errichtet und steht in einem sehr schön angelegten Garten mit direktem Zugang zum See. Die Liebermann-Villa (Colomierstraße 3, 14109 Berlin, erreichbar mit Bus 314 ab S-Bahnhof Wannsee) ist seit 2006 ein Kunstmuseum. Im Erdgeschoss bekommt man Einblick in die Geschichte der Familie Liebermann und des Hauses. Im ehemaligen Atelier des Künstlers im Obergeschoss sind in der Dauerausstellung einige Gemälde zu sehen, die Liebermann in seinem Garten am Wannsee gemalt hat. Außerdem gibt es wechselnde Sonderausstellungen anderer Künstler. Im Haus befindet sich auch ein schönes Café, in dem man sich im ehemaligen Esszimmer oder auf der traumhaften Terrasse entspannen kann.


Alexander-Haus
Im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke kann mit dem Alexander-Haus (Am Park 2, 14476 Potsdam, erreichbar mit Bus 638 ab Spandau oder Potsdam) ein außergewöhnliches Denkmal der deutschen Geschichte besichtigt werden. Das Haus wurde 1927 als Sommerhaus des Berliner Arztes Alfred Alexander direkt am Groß Glienicker See erbaut. Nach der Flucht der Familie Alexander 1936 nach England lebte der Musikverleger Will Meisel dort. Da das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch in der sowjetischen Besatzungszone lag, konnte er es nicht mehr nutzen und es wurde im Anschluss von mehreren Familien bewohnt. 1961 wurde die Berliner Mauer mitten durch das Grundstück gebaut, so dass es bis 1989 vom See getrennt war.
Da das Gebäude immer mehr verfiel, wurde 2013 der Verein Alexander-Haus e.V. von Mitgliedern der Familie Alexander (u.a. dem Autor Thomas Harding, der darüber das fantastische Buch „Sommerhaus am See“ geschrieben hat) sowie Bewohnern von Groß Glienicke gegründet. Der Verein hat das inzwischen denkmalgeschützte Sommerhaus renoviert und wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Das Alexander-Haus kann heute mehrmals pro Woche besichtigt werden und man lernt dort anhand der Geschichte des Hauses und der Menschen, die es bewohnt haben, einiges über die deutsche Geschichte der letzten 100 Jahre.




Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick
Im Südosten Berlins liegt von Wasser umgeben der Stadtteil Köpenick. Auf einer kleinen Insel direkt südlich der Altstadt steht das Barockschloss Köpenick, in dem sich seit der Restaurierung 2004 das Kunstgewerbemuseum (Schlossinsel 1, 12557 Berlin, erreichbar mit verschiedenen Bus- und Tramlinien) befindet. In der großen Ausstellung kann man Einrichtungsgegenstände aus der Renaissance, dem Barock und dem Rokoko bewundern, sowohl aus bürgerlichen als auch aus höfischen Wohnräumen. Dazu gehören Porzellane, Tapisserien und Möbelstücke, aber auch die Räume selbst mit Stuck und Deckengemälden sind beeindruckend.



Essen & Trinken
Ein persischer Kochkurs bei Dr & Dr Middle Eastern Culture and Food Lab ist ein ganz besonderes Erlebnis! Unter Anleitung der aus dem Iran stammenden Zwillingsschwestern kocht man gemeinsam in einer Gruppe mit maximal 15 Personen ein authentisches Menü und lernt dabei einiges über die persische Küche und Kultur. Nach dem Kochen wird gemeinsam am großen, wunderschön gedeckten Tisch gegessen.
Im schönen Berliner Stadtteil Friedenau liegt das Restaurant La Mezcla (Hedwigstraße 1, 12159 Berlin) mit kreativer lateinamerikanischer Fusionsküche. Das Restaurant ist sehr gemütlich in dunklen Farben eingerichtet. Die kleine Speisekarte wechselt regelmäßig und bietet neben tollen Fischgerichten wie Ceviche oder Oktopus auch leckere vegetarische und Fleischgerichte.
Das Rausch Schokoladenhaus am Gendarmenmarkt (Charlottenstraße 60, 10117 Berlin) hat im zweiten Stock ein Schokoladen-Café. Neben einer großen Auswahl an (Schoko-) Törtchen und Pralinen gibt es auch Schokoladenfondue und natürlich verschiedene Trinkschokoladen. Reservierung empfohlen.
Im 10. Stock des 25hours Hotels Bikini Berlin gegenüber der Gedächtniskirche befindet sich das Restaurant NENI Berlin (Budapester Str. 40, 10787 Berlin). Mit tollem Panoramablick auf den Zoo oder die Lichter der Stadt genießt man hier moderne israelische Küche mit arabischen, persischen, aber auch österreichischen Einflüssen. Reservierung empfohlen.
Das Frühstückslokal The Dawn (Budapester Str. 38-50, 10787 Berlin) liegt zentral im Dachgeschoss des Bikini Hauses neben dem Zoopalast. Hier gibt es eine tolle Auswahl an Frühstücksgerichten wie Eggs Benedict, fluffige Pancakes, Avocado-Stulle oder Shakshuka. Von den Tischen am Fenster und von der Terrasse blickt man direkt auf den Zoo. Auch wenn man keine Zeit für einen Zoobesuch hat, lohnt sich ein kurzer Abstecher zum Haupteingang: ein wirklich schöner Fotospot!





Tipps & Tricks
Auch in Berlin habe ich schon an zwei kulinarischen Stadtführungen von Eat the World durch die Bezirke Wilmersdorf und Prenzlauer Berg teilgenommen. Bei den dreistündigen Touren durch ein Stadtviertel erfährt man nicht nur viel Wissenswertes über die Stadt, man lernt auch bei Stopps mit Kostprobe fünf bis sechs Gastronomiebetriebe kennen.
Das Netz öffentlicher Verkehrsmittel in Berlin ist sehr gut ausgebaut, man kann praktisch alle Ziele im Zentrum sowie in den Außenbezirken leicht erreichen. Bei häufigen Fahrten empfiehlt sich die BVG-App, in der man sowohl Verbindungen suchen als auch Tickets kaufen kann. Für Berlin-Touristen besonders interessant sind die Buslinien 100, 200 und 300, die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeikommen und sich so für eine günstige Stadtrundfahrt anbieten.
Je nachdem, was man bei seinem Aufenthalt alles besichtigen möchte, lohnt sich vielleicht die Berlin Welcome Card. Mit der Karte, die für zwei bis sechs Tage und mit oder ohne ÖPNV erhältlich ist, bekommt man bei vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten sowie einigen Veranstaltungen und Restaurants Ermäßigung.
2 Gedanken zu „Berlin mal anders: Tipps abseits der Touristenpfade“
Super gemacht
Vielen Dank!