
Ein Wochenende am Westlichen Bodensee
Am Westlichen Bodensee gibt es unheimlich viel zu entdecken: von der pulsierenden Stadt Konstanz mit ihrer malerischen Altstadt und dem kulturellen Angebot, über idyllische Kleinstädte wie Radolfzell bis hin zu herrlichen Inseln und Halbinseln wie der Höri. Egal zu welcher Jahreszeit, hier wird es sicher nicht langweilig.

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Unterkunft
Das Hotel Hirschen Horn (Kirchgasse 3-7, 78343 Gaienhofen) auf der Halbinsel Höri am Bodensee nennt sich ganz zu Recht „Refugium am See“. Allein schon die Lage an der Spitze der Halbinsel mit dem 270-Grad-Blick über den Bodensee und zur Insel Reichenau ist einzigartig. In dem familiengeführten Hotel gibt es Zimmer, Suiten und Ferienwohnungen in unterschiedlichen Gebäuden und Kategorien, aber alle mit gut durchdachter, liebevoller Einrichtung und ausgezeichnetem Service. Außerdem hat das Hotel einen wunderschönen neuen Wellnessbereich mit Infinity-Pool, verschiedenen Saunen und viel Platz zum Entspannen. Ebenfalls erwähnenswert sind das fantastische Frühstücksbuffet sowie die beiden Restaurants, das traditionelle Gasthaus und die Untersee Stube (siehe Restauranttipps weiter unten).




Auf der Halbinsel Höri
Die Halbinsel Höri liegt am Untersee zwischen Radolfzell und dem schweizerischen Stein am Rhein und besteht aus den drei Gemeinden Moos, Gaienhofen und Öhningen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog das mediterrane Flair der Halbinsel zahlreiche bekannte Künstler und Schriftsteller an. Den Anfang machte Hermann Hesse, der von 1904 bis 1912 in Gaienhofen lebte. Während des Nationalsozialismus kamen besonders viele Künstler auf die Höri, unter anderem Otto Dix, um falls notwendig über die nahgelegene Grenze in die Schweiz fliehen zu können. Auch heute noch erinnert vieles auf der Halbinsel an die berühmten früheren Bewohner.
Hermann Hesse in Gaienhofen
Im ehemaligen Schul- und Rathaus sowie im daneben liegenden ersten Wohnhaus Hermann Hesses in Gaienhofen (1904-1907) ist heute das Hesse Museum untergebracht. In der Dauerausstellung erfährt man viel über Hesses erste Jahre am Bodensee, aber auch über weitere Maler und Schriftsteller, die die Künstler- und Literaturlandschaft Höri geprägt haben.


Ebenfalls in Gaienhofen liegt das Mia- und Hermann-Hesse-Haus, das einzige Haus, das der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger in seinem Leben gebaut hat. Die Landhausvilla im Reformstil wurde 1907 erbaut und ist von einem wunderbaren Garten umgeben, den Hesse selbst geplant und angelegt hat und der von den heutigen Eigentümern wieder so gestaltet wurde. Das Haus ist heute in Privatbesitz, insbesondere der Garten kann aber trotzdem regelmäßig besichtigt werden. Dort finden auch sehr interessante Vorträge und Führungen durch die Eigentümer bzw. den Förderverein statt.



Otto Dix in Hemmenhofen
In Hemmenhofen, einem Ortsteil von Gaienhofen, steht das ehemalige Atelier- und Wohnhaus von Otto Dix und seiner Familie. Der Maler lebte und arbeitete hier von 1936 bis zu seinem Tod 1969. Heute ist im Haus das Museum Haus Dix untergebracht, eine Außenstelle des Kunstmuseums Stuttgart. Auf drei Etagen können die Wohnräume und das Atelier besichtigt werden, außerdem werden dort in jährlich wechselnden Ausstellungen Werke von Otto Dix gezeigt. Mit dem toll gemachten Mediaguide erfährt man viel zu den Kunstwerken, aber auch zum Alltag der Familie Dix durch persönliche Geschichten von Jan Dix, einem der Söhne. Im Rahmen einer Führung kommt man auch in den Keller, in dem erst 2012 wiederentdeckte Wandmalereien zu sehen sind. Vom wunderschönen Garten hat man außerdem einen tollen Blick auf den Bodensee.



Radolfzell
Radolfzell liegt direkt am Ufer des Bodensees, ungefähr zwanzig Kilometer nordwestlich von Konstanz. Bei meinen bisherigen Aufenthalten auf der Höri bin ich in Radolfzell immer nur umgestiegen oder war im Outlet Center seemaxx, deshalb war es nun an der Zeit für eine Stadtbesichtigung mit der App zeigmal (siehe Tipps & Tricks weiter unten).
Die Stadt wurde bereits 826 gegründet und an der Stelle der ersten Kirche steht heute das zwischen 1436 und 1550 erbaute Münster. In der gesamten Altstadt gibt es noch viele schöne Fachwerkhäuser, so zum Beispiel in der Schmidtengasse. Dort steht auch eines der schmalsten Häuser Deutschlands, das nur 2,50 Meter breite Haus Nr. 5. Ebenfalls sehenswert sind die mittelalterliche Stadtmauer mit Pulverturm und das dahinter liegende Stadtviertel Griener Winkel. Früher lag die Stadtmauer direkt am Ufer des Bodensees. Doch für den Bau des Bahnhofs wurde 1860 Land aufgeschüttet, weshalb dem Pulverturm heute einige Meter fehlen.






Konstanz
Ein Besuch in Konstanz gehört für mich zu jedem Aufenthalt am Bodensee dazu! In der malerischen Altstadt kann man wunderbar bummeln und gut essen, es gibt aber auch zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten und Museen. In der Tourist-Information am Hauptbahnhof ist ein ausführlicher Plan mit verschiedenen Stationen für einen Rundgang durch die Stadt erhältlich.
Hafen
Egal ob man mit dem Schiff oder dem Zug nach Konstanz fährt, man kommt direkt am Hafen am Rand der Altstadt an. Hier fällt sofort die Hafenfigur „Imperia“ auf, eine Statue des Künstlers Peter Lenk mit einer satirischen Darstellung des Konstanzer Konzils. Die Statue wurde 1993 gegen den Willen des Gemeinderats auf einem Privatgelände der Deutschen Bahn errichtet und war höchst umstritten, sie ist aber inzwischen eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ebenfalls am Hafen liegt das Konstanzer Konzil. In diesem ehemaligen Lagerhaus aus dem 14. Jahrhundert fand von 1414 bis 1418 die einzige Papstwahl nördlich der Alpen statt. Heute sind in dem Gebäude Veranstaltungsräume und Restaurants untergebracht.
Altstadt
In Konstanz kann man sich wunderbar durch die Gassen um die Rosgartenstraße, die Hussenstraße und die Wessenbergstraße treiben lassen. Hier gibt es noch viele gut erhaltene historische Gebäude, die zum Teil bis aufs Mittelalter zurückgehen, wie beispielsweise das Schnetztor am südlichen Ende der Hussenstraße. Ebenfalls sehr sehenswert ist das Rathaus an der Kanzleistraße, das aus mehreren historischen Gebäuden um einen schönen Innenhof herum besteht. Nicht weit vom Rathaus steht am Obermarkt das Hotel Barbarossa, in dessen Gebäude schon 1419 ein Gasthaus war.
Ein weiteres Highlight in der Altstadt ist sicherlich das Münster Unserer Lieben Frau. Die romanische Basilika wurde 1089 geweiht und seither noch mehrfach umgebaut und erweitert. Vom 78 Meter hohen Turm hat man eine fantastische Aussicht auf die Stadt, den See und (bei entsprechender Witterung) die Alpen. Nördlich des Münsters bis hin zum Seerhein liegt der Stadtteil Niederburg. Der älteste Stadtteil Konstanz hat mit seinen malerischen Gässchen, den Patrizierhäusern und schönen Geschäften und Lokalen einen ganz besonderen Charme.





Essen & Trinken
Im Hirschen Horn (Kirchgasse 3-7, 78343 Gaienhofen) gibt es zwei Restaurants. Das traditionelle Gasthaus mit wunderschönem Biergarten bietet eine saisonal wechselnde Speisekarte mit hervorragenden regionalen Spezialitäten an. Im Restaurant Untersee Stube wird jeden Abend ausschließlich für Hotelgäste ein fantastisches Gourmetmenü serviert.
Direkt an der Marktstätte in Konstanz befindet sich ein Standort von Tim Raues Brasserie Colette (Brotlaube 2A, 78462 Konstanz). Im Restaurant im ersten Stock wird moderne französische Küche à la carte und mit monatlich wechselnden Menüs serviert. Es gibt auch ein Mittagsmenü.



Tipps & Tricks
Bei Übernachtung in einem der 14 teilnehmenden Orte bekommt man beim Check-In die Gästekarte BODENSEECARD WEST. Mit dieser Karte kann man im gesamten Landkreis Konstanz die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und bekommt zusätzlich noch Rabatt in vielen Museen oder bei der Untersee-Schifffahrt.
In der recht neuen App zeigmal gibt es digitale Stadtführungen in mehreren Orten am Bodensee und in ganz Baden-Württemberg. Die App bietet zum einen feste Rundgänge, bei denen man an bestimmten Stationen mit Audiobeiträgen und Texten, aber auch Rätseln und Augmented Reality, mehr über den Ort erfährt. Beim Entdeckenmodus kann man den Ort auf eigene Faust erkunden und bekommt von der App mitgeteilt, wenn man sich in der Nähe einer Sehenswürdigkeit befindet.
Wie in fast jeder Stadt lohnt sich auch in Konstanz gleich zu Beginn ein kurzer Stopp bei der Tourist-Information. Dort, aber auch auf der Website, gibt es unter anderem einen Stadtplan für einen Rundgang durch die Stadt zu verschiedenen kurz beschriebenen Sehenswürdigkeiten.
Immer wieder gerne buche ich eine kulinarische Stadtführung bei Eat the World. Bei den dreistündigen Touren durch ein Stadtviertel erfährt man nicht nur viel Wissenswertes über die Stadt, man lernt auch bei Stopps mit Kostprobe fünf bis sechs Gastronomiebetriebe kennen.
Immer am ersten Sonntag im Oktober findet in der Gemeinde Moos am Bodensee das Büllefest statt. Hier dreht sich (fast) alles um die Höri-Bülle, eine rote Speisezwiebel, die traditionell auf der Halbinsel Höri angebaut wird. Neben Spezialitäten wie „Bülledünne“ (Zwiebelkuchen) und „Büllesuppe“ gibt es kunstvoll geflochtene Zöpfe und Kränze aus Zwiebeln und Trockenblumen zu kaufen, aber auch andere landwirtschaftliche Produkte und Kunsthandwerk. Zum Fest reist man am besten mit dem Bus an, von Radolfzell aus sind auch zusätzliche Shuttlebusse im Einsatz.
