Villa Ephrussi de Rothschild: Ein Märchenschloss an der Côte d’Azur

Villa Ephrussi de Rothschild: Ein Märchenschloss an der Côte d’Azur

Auf der schmalen Halbinsel Cap Ferrat östlich von Nizza, zwischen der Bucht von Villefranche und der Bucht von Beaulieu, thront ein roséfarbener Palast hoch über dem Mittelmeer: die Villa Ephrussi de Rothschild. Das Anwesen, das die exzentrische Baronin Béatrice de Rothschild Anfang des 20. Jahrhunderts als ihre Winterresidenz errichten ließ, gehört heute zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten an der Côte d’Azur und ist ein Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkehre. Verschiedene Themengärten, prunkvolle Innenräume voller Kunstschätze und ein Salon de thé mit Blick auf die Gärten machen diesen Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Plant unbedingt ausreichend Zeit ein – hier gibt es viel zu entdecken!

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Villa

Die Geschichte der Villa Ephrussi de Rothschild ist untrennbar mit der Geschichte ihrer Erbauerin verbunden, der Baronin Béatrice de Rothschild. Geboren 1864 als Tochter eines einflussreichen Pariser Bankiers und Kunstsammlers, wuchs sie inmitten kostbarer Kunstwerke auf und entwickelte schon früh eine Vorliebe für das Schöne. Mit 19 Jahren heiratete sie den russischstämmigen Bankier Maurice Ephrussi, ließ sich jedoch 1904 scheiden und widmete ihr Leben fortan ganz ihrer großen Leidenschaft: dem Sammeln von Kunst.

Der entscheidende Wendepunkt kam 1905: Nach dem Tod ihres Vaters erbte Béatrice ein enormes Vermögen und entdeckte zur selben Zeit Cap Ferrat, das sich gerade zu einem Treffpunkt der europäischen High Society entwickelte. Sie kaufte kurzerhand das sieben Hektar große Grundstück und begann, dort ihre Vision umzusetzen. Was dann folgte, war eine echte Mammutaufgabe: Felsen mussten gesprengt, Tonnen von Erde aufgetragen und das schwierige Gelände in Terrassen umgewandelt werden. Béatrice überwachte jeden Schritt der Bauarbeiten persönlich und soll eine äußerst anspruchsvolle Bauherrin gewesen sein – je nach Quelle verschliss sie dabei zwischen zwölf und fünfzehn Architekten!

Zwischen 1907 und 1912 entstanden schließlich die Villa im Stil eines italienischen Palazzo und die Gärten in ihrer heutigen Form. Bevor Béatrice de Rothschild 1934 starb, vermachte sie das gesamte Anwesen mitsamt rund 5.000 Kunstwerken der Académie des Beaux-Arts – als Hommage an ihren Vater, der selbst Mitglied der Akademie gewesen war. 1938 öffnete die Villa erstmals für die Öffentlichkeit, inzwischen steht das gesamte Anwesen als historisches Monument auch unter Denkmalschutz.

Heute kann die Villa das ganze Jahr über besichtigt werden, für „nur“ 100.000 € ist das Anwesen auch für private Feierlichkeiten buchbar. Deutlich günstiger und trotzdem etwas Besonderes sind die jährlich stattfindenden Veranstaltungen wie das Rosenfest oder die Gartentage. Ganz besonders gut haben mir jedoch die „Nocturnes“ gefallen: an einigen Sommerabenden im Juli und August tauchen unzählige Lichter die Villa und die Gärten in eine magische Atmosphäre. Dazu gibt es ein wechselndes Kulturprogramm mit Musik und Tanz. Ein wirklich einmaliges Erlebnis!

Die Themengärten

Das Herzstück des Anwesens sind zweifellos die Gärten. Verschiedene Themengärten erstrecken sich auf einer Fläche von sieben Hektar rund um die Villa – jeder mit einem eigenen Charakter, passenden Pflanzen und einer ganz eigenen Stimmung. Für einen ausgiebigen Spaziergang durch alle Gärten sollte man gut zwei Stunden einplanen, denn hier lohnt es sich, immer wieder innezuhalten, die vielen verschiedenen Details zu entdecken und den traumhaften Ausblick aufs Mittelmeer zu genießen.

Der spanische Garten

Meist starte ich meinen Besuch nicht in der Villa, sondern direkt in den Gärten. Der Weg rechts am Gebäude vorbei führt in den spanischen Garten, der mit seiner wunderbaren Atmosphäre gleich zum Verweilen einlädt. Ein schmaler Kanal zieht sich durch die Länge des Gartens, flankiert von ockerfarbenen Bögen und Arkaden, die ein leicht orientalisches Flair verbreiten. Hier wachsen Calla-Lilien, Strelitzien und Granatapfelbäume. Hinter den Arkaden verbirgt sich außerdem eine kleine Höhle – unbedingt hineinschauen!

Der florentinische Garten

Der florentinische Garten mit seiner hufeisenförmigen Treppe ist das einzige Überbleibsel des riesigen italienischen Gartens, den Béatrice ursprünglich angelegt hatte. Von der von Zypressen gesäumten Allee hat man einen tollen Blick auf die Bucht von Villefranche!

Der Steingarten

Der Steingarten, der sich an den florentinischen Garten anschließt, ist eine Art kleines Freilichtmuseum: Wasserspeier, Baldachine, kleine Figuren und andere Fragmente aus unterschiedlichen Gebäuden stehen hier versteckt zwischen vielen verschiedenen Pflanzen, darunter Azaleen, japanische Kamelien und Rhododendren.

Der japanische Garten

Ein ganz besonders schönes Fleckchen ist der japanische Garten! Ein Teich mit Koi-Karpfen, ein traditioneller Holzpavillon, eine kleine Brücke, wellenförmige Muster, die in den weißen Sand gezogen sind – hier ist alles sehr stimmig und strahlt eine Zen-artige Ruhe aus. Und dazu glitzert durch den Bambus immer wieder das blaue Meer hindurch.

Der exotische Garten

Durch den exotischen Garten führen schmale, kurvige Wege bergauf und bergab, vorbei an Sukkulenten aller Art. Hier gedeihen Riesenkakteen, Aloe Vera, Feigenkakteen und verschiedene Agavenarten, immer wieder durchbrochen durch Farbtupfer von Bromelien und Epiphyten.

Der Rosengarten

Ganz am Ende der Anlage befindet sich der Rosengarten, eines meiner Highlights. Ausgehend von einem kleinen sechseckigen Tempel mit Statue führen mehrere Wege den Hang hinab bis zur Grundstücksgrenze. Auf der Fläche sind über hundert Rosensorten angepflanzt, die besonders zwischen Mai und Juli in voller Blüte stehen und ihren wunderbaren Duft versprühen.

Der provenzalische Garten

Zurück in Richtung Villa führt der Weg durch den provenzalischen Garten mit seinen Palmen, Oliven- und Pinienbäumen sowie Lavendel und verschiedenen Kräutern wie Rosmarin und Thymian.

Der französische Garten

Vom provenzalischen Garten gelangt man schließlich zu dem kleinen „Tempel der Liebe“, der auf einer Anhöhe steht und den Übergang zum Prunkstück der Anlage markiert, dem französischen Garten. Von hier oben hat man eine wunderschöne Sicht auf die Villa und den Hauptgarten in seiner ganzen Pracht.

Da man vom französischen Garten aus auf beiden Seiten das Meer sieht, hat sich Béatrice an einen Ozeandampfer erinnert gefühlt und diesen Teil des Gartens in Form eines Schiffsdecks gestaltet. Symmetrische Beete, akkurat gestutzte Hecken, Teiche, Wasserfälle und Palmen fügen sich zu einem sehr stimmungsvollen Bild zusammen. Das Highlight: alle zwanzig Minuten verwandelt sich das Hauptbecken in ein musikalisches Wasserballett. Zu den Klängen von Johann Strauß tanzen die Fontänen in die Höhe – ein wirklich schönes Schauspiel!

Der Innenbereich der Villa

Wer denkt, nach den Gärten könne das Innere der Villa kaum noch mithalten, wird schnell eines Besseren belehrt. Schon beim Eintreten durch den überdachten Patio ist man überwältigt! Die rosafarbene Fassade setzt sich im Inneren fort – zartes Rosa zieht sich durch viele der Räume und verleiht dem ganzen Haus eine unglaubliche Eleganz.

Der Rundgang führt durch Empfangsräume, große und kleine Salons und die Privatgemächer der Baronin mit Schlafzimmer, Boudoir, Garderobe und Badezimmer. Ein Highlight ist die Loggia im ersten Stock, von der aus Béatrice de Rothschild ihre Armee von Gärtnern überblicken konnte. In den Räumen sind viele der über 5.000 Kunstwerke zu sehen, die Béatrice in ihrem Leben zusammengetragen hat. Besonders eindrucksvoll finde ich die große Porzellansammlung, unter anderem mit Teilen aus der Königlichen Manufaktur Sèvres und Meissener Porzellan.

Der Audioguide, der auch auf Deutsch verfügbar ist, macht den Rundgang durch die Villa besonders lebendig: Er erzählt die Geschichte der Baronin und erläutert die wichtigsten Kunstwerke. So kann man das Anwesen ganz im eigenen Tempo und ohne Führung erkunden.

Essen & Trinken

Eine Pause im Salon de thé Béatrice ist der perfekte Abschluss des Besuchs. Im ehemaligen Esszimmer der Baronin und auf der schönen Terrasse befindet sich heute ein Restaurant, das in jeder Hinsicht dem Flair des Hauses gerecht wird. Das Angebot reicht von Salaten und Quiches zum Mittagessen über Pâtisserie bis hin zu Afternoon-Tea-Arrangements.

Tipps & Tricks

Anfahrt: Am besten kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Villa Ephrussi de Rothschild, denn Parkplätze direkt vor Ort sind recht begrenzt. Von Nizza aus fährt die Buslinie 15 (bis „Passable – Rothschild“) bis fast vor die Tür! Allerdings führt die Strecke die Küstenstraße entlang, der Bus braucht also entsprechend lange.
Alternativ kommt man mit dem Regionalzug von vielen Städten an der Côte d’Azur bis Beaulieu-sur-Mer und kann dort entweder in den Bus steigen (ebenfalls Linie 15) oder am Meer entlang in ungefähr 30 Minuten zur Villa spazieren. Am schönsten ist der Weg vorbei an der Plage des Fourmis und ab dem Hotel Royal-Riviera über die Promenade Maurice Rouvier. Nach ca. 500 Metern auf der Promenade zweigt eine kleine Straße ab, von wo aus der Weg zur Villa auch ausgeschildert ist.

Tickets sind sowohl vor Ort als auch online erhältlich, für den Besuch einer Veranstaltung wie den Nocturnes ist ein frühzeitiger Ticketkauf online unbedingt zu empfehlen.

Eine weitere schöne Villa in Beaulieu-sur-Mer ist die Villa Kerylos. Den Palast mit 2.500 m² Wohnfläche im Stil einer antiken griechischen Villa ließ sich ein reicher Archäologe Anfang des 20. Jahrhunderts direkt an den östlichen Vorsprung der Bucht bauen. Mir gefällt sie zwar längst nicht so gut wie die Villa Rothschild, sehenswert ist sie aber auf alle Fälle. Es gibt auch Kombitickets mit der Villa Ephrussi de Rothschild.

Wenn man schon auf der Halbinsel Cap Ferrat ist, lohnt sich auch noch ein kurzer Abstecher an den Hafen von Saint-Jean-Cap-Ferrat (ebenfalls mit der Buslinie 15 zu erreichen). Der Yachthafen ist nicht so groß wie der in Antibes, von hier hat man aber eine schöne Sicht in Richtung Èze. Außerdem gibt es am Hafen einige nette Restaurants sowie kleine Geschäfte und Galerien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

×