Freiburg: mittelalterliche Altstadt zwischen Münster und Bächle
Freiburg im Breisgau ist die heimliche Hauptstadt des Schwarzwalds – sonnenverwöhnt, lebendig und mit einer Altstadt, die zu den schönsten in ganz Süddeutschland zählt. Zwischen dem gotischen Münster, plätschernden Bächle und den Weinbergen des Schlossbergs verbindet die Stadt studentisches Flair mit einer Nähe zur Natur, die man so schnell nirgendwo sonst findet. Die Atmosphäre der Stadt ist geprägt vom Trubel der Albert-Ludwigs-Universität, einer der ältesten und renommiertesten Universitäten Deutschlands, trotzdem hat man auch immer die Berge des Schwarzwalds im Blick: Der 1.284 Meter hohe Schauinsland liegt sogar noch im Stadtgebiet! Und wer noch etwas Zeit mitbringt, findet direkt vor den Toren weitere wunderbare Ausflugsziele wie den Winzerort Endingen am Kaiserstuhl oder das Orgelbauerstädtchen Waldkirch im Elztal.
Inhaltsverzeichnis
Die Freiburger Altstadt
Freiburgs Altstadt entstand ab 1120 unter den Zähringer Herzögen und wurde über die Jahrhunderte immer weiter ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurden zwar große Teile davon zerstört, doch nach dem Krieg baute man die Stadt originalgetreu wieder auf, sodass man auch heute noch durch enge, romantische Gassen bummeln kann. Insbesondere südlich des Münsters sind die Gassen so schmal, dass man sich auch jetzt noch vorstellen kann, wie beengt die Wohnverhältnisse im Mittelalter gewesen sein mussten.
Das Münster
Das Freiburger Münster (Münsterplatz 1, 79098 Freiburg) ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt und wurde über einen Zeitraum von mehr als 300 Jahren erbaut – ein Generationenprojekt, das erst im 16. Jahrhundert vollendet wurde. Sein 116 Meter hoher Westturm gilt bis heute als eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Gotik. Besonders bemerkenswert: Es ist der einzige gotische Kirchturm in Deutschland, der noch im Mittelalter vollständig fertiggestellt wurde.
Nachdem man das Münster durch das wunderschön verzierte Hauptportal betreten hat, erwarten einen im Inneren ein beeindruckendes gotisches Kirchenschiff, jahrhundertealte Buntglasfenster und der sehenswerte Hochaltar von Hans Baldung Grien. Der Besuch des Kirchenraums ist kostenlos und täglich zu wechselnden Uhrzeiten möglich.



Wer schwindelfrei und einigermaßen fit ist, sollte sich die Turmbesteigung nicht entgehen lassen. Über 209 Stufen geht es zur Türmerstube, in der sich aber nur die Kasse befindet! Weitere 33 Stufen führen zur Glockengalerie, wo man die imposante Konstruktion des jahrhundertealten Glockenstuhls aus Tannenholz und die teils riesigen Glocken bestaunen kann. Wer nochmal 126 Stufen hinaufsteigt, gelangt bis zur Galerie in 70 Metern Höhe, von der aus man einen tollen Überblick über das mittelalterliche Gassenlabyrinth bekommt und bei klarem Wetter bis zu den Vogesen und in den Schwarzwald blicken kann. Die oberste Galerie bleibt im Winter geschlossen.



Der Markt auf dem Münsterplatz
Rund um das Münster erstreckt sich einer der größten und schönsten Wochenmärkte Deutschlands. Hier merkt man eindeutig die Nähe zu Frankreich, denn der Markt auf dem Münsterplatz findet tatsächlich sechsmal die Woche, von Montag bis Samstag, statt! Zwischen bunten Ständen mit Obst und Gemüse vom Kaiserstuhl duftet es unweigerlich nach der berühmten „langen Roten“, der Freiburger Bratwurst, die es an mehreren Ständen direkt am Münster gibt. Auch Blumen und ein paar Stände mit Kunstgewerbe findet man hier, außerdem einen tollen Kaffeestand (s. Essen & Trinken weiter unten).



Unterwegs in den Altstadtgassen
Rund um das Münster lohnt sich ein Bummel durch die verwinkelten Altstadtgassen. Besonders das ehemalige Handwerkerviertel um die Gerberau und die Fischerau besticht mit bunten Fassaden und alten Handwerkerhäusern direkt am Gewerbekanal, in denen heute kleine Boutiquen, Galerien und Cafés untergebracht sind. Ebenso reizvoll ist die Konviktstraße, eine der malerischsten Ecken der Altstadt mit mehreren traditionsreichen Restaurants und kleinen Läden.






Zwischen der Gerberau und der Konviktstraße, zwei besonders schönen Straßenzügen, befindet sich der Platz Oberlinden mit dem Schwabentor, einem der beiden noch erhaltenen mittelalterlichen Stadttore. Hier kommen mehrere Straßen zusammen, die schon Jahrhunderte vor der Gründung Freiburgs als Handelswege in den Schwarzwald und nach Oberschwaben existiert haben!



Die Bächle: ein ganz besonderes Wahrzeichen
Ein ganz besonderes Freiburger Wahrzeichen und wirklich einzigartig sind die zahlreichen Bächle: schmale, künstlich angelegte Wasserläufe, die über mehr als 15 Kilometer durch fast die gesamte Altstadt fließen. Sie stammen ursprünglich bereits aus den 1170er-Jahren und dienten mit frischem Brauchwasser für Haushalt und Gewerbe, als Viehtränke und zur Löschwasserversorgung. Bis heute werden die Bächle über teilweise unterirdisch verlaufende Kanäle mit Wasser aus der Dreisam gespeist. Im Sommer tragen sie entscheidend zum Mikroklima der Stadt bei und sind für Kinder – und tatsächlich auch für viele Erwachsene – eine willkommene Abkühlung an heißen Sommertagen.
Die Bächle sind aus der Altstadt nicht wegzudenken: sie werden an manchen Stellen schön geschmückt, locken vor Cafés und Bars mit Sitzplätzen direkt am Wasser und für Kinder gibt es sogar eigens Bächleboote, die an einer Schnur hinter sich hergezogen werden können. Wer hineintritt, dem sagt der Volksmund übrigens nach, dass er bald einen Freiburger oder eine Freiburgerin heiraten wird. Am besten schaut man beim Gehen also ab und zu nach unten, denn die kleinen Bächle sind schnell übersehen.



Der Schlossberg
Direkt östlich der Altstadt erhebt sich der Schlossberg, Freiburgs Hausberg, auf immerhin 456 Meter Höhe. Schon 1091 errichteten die Zähringer hier ihre erste Burg, aus der später die Stadt Freiburg hervorging. Wer keine Lust auf den Fußweg hat, nimmt einfach die Schlossbergbahn (Stadtgarten, 79104 Freiburg), einen Schrägaufzug, der seit 2008 auf Knopfdruck vom Stadtgarten aus in wenigen Minuten die 73 Höhenmeter überwindet. Oben angekommen, empfängt einen direkt das traditionsreiche Restaurant Dattler mit großer Panoramaterrasse und toller Aussicht.
Noch viel besser ist die Aussicht allerdings vom Schlossbergturm, einem 35 Meter hohen, modernen Aussichtsturm, zu dem ein etwa 15-minütiger Spaziergang von der Bergstation führt. Dabei hat man sogar mehrere Wege zur Auswahl: den gemütlichen Entdeckerweg, einen teils steilen und unebenen Pfad und einen Weg mit vielen Treppen. Da der Schlossbergturm mitten im Wald steht, sieht man vom Fuß des Turms aus nicht besonders viel. Der Weg hierher lohnt sich also nur, wenn man auch noch die ca. 150 Stufen auf den Turm steigt. Achtung: Die Stufen der Wendeltreppe sind aus Stahlgitter und der Turm ist an der Seite offen, der Aufstieg ist also sicher nicht für jeden geeignet! Wer sich nach oben traut, den erwartet dafür eine großartige 360-Grad-Aussicht auf Freiburg samt Münster, den Schwarzwald, den Kaiserstuhl und die Vogesen.



Der Stadtteil Wiehre
Südlich der Altstadt, auf der anderen Seite der Dreisam, liegt die Wiehre, eines der schönsten und beliebtesten Wohnviertel Freiburgs. Seit 1826 gehört die Wiehre zur Stadt, doch ihren heutigen Charakter erhielt sie erst ein paar Jahrzehnte später, als wohlhabende Bauherren – viele davon aus dem Ruhrgebiet – hier ein großbürgerliches Villenviertel errichteten. Bis heute prägen prächtige Gründerzeit- und Jugendstilvillen das Straßenbild, beispielsweise in den Straßen rechts und links der Günterstalstraße.



Ein markantes Wahrzeichen ist die Johanneskirche (Kirchstraße 4, 79100 Freiburg), im Volksmund liebevoll „Wiehredom“ genannt, deren wuchtige neuromanische Architektur den Stadtteil optisch dominiert. Wer es ruhiger mag, spaziert zum Annakirchle, der barocken Dorfkirche auf dem Annaplatz und von dort aus weiter zum alten Wiehrebahnhof (Urachstraße 40, 79102 Freiburg), vor dem samstags ein beliebter Bauernmarkt stattfindet. Ein echter Hingucker ist außerdem das Graffitihaus an der Ecke Kirch-/Konradstraße, dessen Fassade der Künstler Tom Brane in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk aus Naturmotiven verwandelte – ein Streit um den Erhalt der Gemälde sorgte 2016 stadtweit für Aufregung, bevor entschieden wurde, dass die bunte Kunst bleiben darf.



Ausflüge in die Umgebung
Freiburg liegt sehr zentral zwischen Schwarzwald, Kaiserstuhl und Rheinebene, sodass sich von hier aus wunderbare Tagesausflüge anbieten.
Waldkirch
Nur etwa 15 Kilometer nordöstlich von Freiburg, mitten im Elztal im südlichen Schwarzwald, liegt das kleine Städtchen Waldkirch. Der Ort ist von der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg und der IHK mit dem Label „Kleinstadtperle“ ausgezeichnet und auf jeden Fall einen Abstecher wert! Insbesondere der langgezogene Marktplatz mit seinen bunten Häusern, den Cafés und Restaurants lädt zu einem Bummel mit Blick auf die Schwarzwaldhänge ein. Aber auch der Kirchplatz, um den herum sich ein beeindruckendes Ensemble barocker Kanonikerhäuser des ehemaligen Klosters St. Margarethen gruppiert, ist wirklich hübsch!



Mein Highlight in Waldkirch ist jedoch das Elztalmuseum (Kirchplatz 14, 79183 Waldkirch), das Stadtmuseum im ehemaligen Propsteigebäude des Klosters. Da Waldkirch seit mehr als 200 Jahren ein Zentrum des Orgelbaus ist, widmet sich ein Großteil der Ausstellung dem Musikinstrument. Wer jetzt nur an Kirchenorgeln denkt, liegt aber falsch – zur Sammlung, die auf zwei Stockwerken gezeigt wird, gehören hauptsächlich Dreh- und Jahrmarktsorgeln sowie Orchestrien. Die zum Teil sehr fantasievollen Instrumente sind nicht nur schön anzusehen, die Mitarbeiter lassen die Orgeln auch gerne erklingen. In der Ausstellung werden zudem Funktionsweise und Herstellung der Orgeln erklärt. In den oberen Stockwerken gibt es außerdem Ausstellungen zur Siedlungsgeschichte und den Bräuchen im Elztal.
Vom Freiburger Hauptbahnhof aus ist Waldkirch in rund 20 Minuten mit der S-Bahnlinie S2 zu erreichen.



Endingen am Kaiserstuhl
Etwa 30 Kilometer westlich von Freiburg liegt das charmante Winzerstädtchen Endingen am Kaiserstuhl, das genau wie Waldkirch mit dem Label „Kleinstadtperle“ ausgezeichnet ist. Die historische Altstadt besticht mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und barocken Palais, darunter das Alte Rathaus, in dem heute das Heimatmuseum untergebracht ist, sowie das Kornhaus und der Üsenberger Hof mit dem Vorderösterreich-Museum, die von der langen Geschichte unter der Herrschaft der Habsburger erzählen. Leider sind die Museen nur sehr unregelmäßig geöffnet und ich hatte somit keine Gelegenheit, sie zu besuchen. Überall im Ort gibt es außerdem Weinstuben (s. Essen & Trinken weiter unten), ein schönes Vorzeichen für das, was einen außerhalb des Ortskerns erwartet.






Endingen liegt eingebettet in die Weinberge des Kaiserstuhls, einem erloschenen Vulkanmassiv, dessen mineralreiche Böden zu den besten Weinlagen Deutschlands zählen. In Endingen selbst und in den Teilorten gibt es zahlreiche Weingüter, die oft auch Weinproben oder Ausflüge in die Weinberge mit Traktor und Anhänger anbieten. Einen guten Überblick dazu bietet die Website des Tourismusbüros Naturgarten Kaiserstuhl. Auch eine Wanderung oder Radtour durch die Reben lohnt sich unbedingt: Der berühmte Kaiserstuhlpfad, der schon zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt wurde, beginnt mitten in Endingen.
Wer nicht gleich eine mehrstündige Wanderung machen will, findet auch direkt am Ortsrand schöne Aussichtspunkte in den Weinbergen mit Blick auf den Schwarzwald und die Vogesen, wie beispielsweise den Wolfgang-Herbst-Pavillon. Dazu folgt man von der Hauptstraße ein kurzes Stück der Königschaffhauser Straße, geht dann linker Hand die Schönenbergstraße bis zum Ende durch und von dort immer weiter gerade aus in die Weinberge. Der Weg führt zum Teil steil bergauf, dafür wird man mit einem wunderbaren Panoramablick belohnt und kann sich oben am Pavillon auf einer Bank ausruhen.
Vom Freiburger Hauptbahnhof aus ist Endingen in rund 40 Minuten mit der S-Bahnlinie S11 zu erreichen.



Essen & Trinken
Die deutsch-costa-ricanische Kaffeerösterei El Purica Coffee Roasters ist mit ihrem Kaffeestand täglich auf dem Freiburger Münstermarkt vertreten. An der Südseite des Münsters, nicht weit vom Turmaufgang, gibt es hervorragenden Kaffee, der sehr nachhaltig in richtigen Tassen serviert wird. Der perfekte Zwischenstopp beim Marktbummel!
In einer schönen Gasse unweit des Oberlinden hat sich das Café TILIA (Herrenstraße 56, 79098 Freiburg) einen Namen als gemütlicher Ort für hausgemachten Chai, Kaffee und kreative Matcha-Getränke gemacht. Außerdem gibt es eine gute Auswahl an Gebäck und Waffeln, teils auch vegan und glutenfrei. Im Sommer kann man auf Sitzkissen direkt am Bächle Platz nehmen.
Direkt am Martinstor lockt die aus Baden-Baden stammende Confiserie Gmeiner (Kaiser-Joseph-Straße 243, 79098 Freiburg) mit klassischem Kaffeehausflair, tollem Frühstück und feinen Torten, die man schon durch die großen Schaufenster bewundern kann. Auch die hausgemachten Pralinen und Tafelschokoladen sind hervorragend.
Seit über 50 Jahren steht die Confiserie Rafael Mutter (Gerberau 5a, 79098 Freiburg) in der schönen Gerberau für erstklassige, handgefertigte Pralinen und Schokoladen – heute bereits in zweiter Generation. Im hauseigenen, modernen Café kann man aus kunstvollen Törtchen und vielen verschiedenen Pralinensorten wählen und dazu eine aromatische Trinkschokolade oder einen Cappuccino genießen, entweder im Café oder draußen in der Gasse.
Nur wenige Meter von der Johanneskirche im Stadtteil Wiehre entfernt widmet sich Das Kartoffelhaus (Basler Str. 10, 79100 Freiburg) ganz der vielseitigen Knolle: von klassischen Gerichten bis zu modern interpretierten Kartoffelkreationen, alles mit saisonalem Gemüse und regionalen Zutaten. Auch für Vegetarier, Veganer und Menschen mit Unverträglichkeiten gibt es eigene Karten mit einer umfangreichen Auswahl. Reservierung unbedingt empfohlen!
Mitten in der Endinger Altstadt, direkt neben dem bekannten „Torli“, serviert die familiengeführte Weinstube Zur Sonne (Hauptstraße 67, 79346 Endingen am Kaiserstuhl) badische Küche mit saisonalem, frischem Anspruch – dazu natürlich ein Glas Wein aus den umliegenden Kaiserstuhl-Weinbergen. Perfekt als Ausklang nach einem Spaziergang durch die Weinberge.
In einem liebevoll restaurierten historischen Gebäudeensemble in einem Hinterhof der Endinger Hauptstraße hat sich Svenis Herzstück (Hauptstraße 57, 79346 Endingen am Kaiserstuhl) zu einem beliebten Café und Deli entwickelt. Die Karte bietet selbstgebackene Kuchen, aber auch ein wechselndes Mittagsangebot.



Tipps & Tricks
Freiburg ist hervorragend an das Regional- und Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn angebunden. Der Hauptbahnhof liegt sehr verkehrsgünstig am Rand der Innenstadt und wird von verschiedenen Bus- und Stadtbahnlinien bedient.
Die Freiburger Innenstadt ist recht kompakt, praktisch alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar. Im Stadtgebiet verkehren zahlreiche Bus- und Stadtbahnlinien, selbst in den Schwarzwald und in die Weinbauorte am Kaiserstuhl kommt man bequem mit der S-Bahn.
Immer wieder gerne buche ich eine kulinarische Stadtführung bei Eat the World. Bei den dreistündigen Touren durch ein Stadtviertel erfährt man nicht nur viel Wissenswertes über die Stadt, man lernt auch bei Stopps mit Kostprobe fünf bis sechs Gastronomiebetriebe kennen.