Åland: ein Idyll mitten in der Ostsee
Wenn ich vor meinem diesjährigen Sommerurlaub erzählt habe, wohin ich reise, habe ich meist nur fragende Blicke bekommen. Welche Inseln? Die Åland-Inseln, mitten in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland gelegen, sind zwar Teil der Europäischen Union, gehören aber trotzdem nirgends so richtig dazu – und haben gerade deshalb einen ganz eigenen Charme entwickelt. Das Archipel besteht aus über 6.700 Inseln, ist politisch ein autonomer Teil Finnlands, aber ausschließlich schwedischsprachig, hat eine eigene Flagge, eigene Briefmarken und ein eigenes Autokennzeichen. Auch sonst überrascht Åland mit einer Vielfalt, die man auf den ersten Blick kaum vermutet und bietet neben wunderschöner Natur auch ganz viel Geschichte, Kultur und gutes Essen!
Inhaltsverzeichnis
Anreise
Die Åland-Inseln liegen strategisch sehr günstig mitten in der Ostsee und werden daher mehrmals täglich von riesigen Autofähren verschiedener Reedereien angefahren. Dabei gibt es Verbindungen von Stockholm, Turku, Helsinki und Tallinn aus, die je nach Abfahrtsort und Reederei in einem der drei Fährhäfen auf der Hauptinsel Fasta Åland anlegen.
Bei meiner Reise war ich von Stockholm aus mit Viking Lines unterwegs. Auf dieser Strecke führt der Großteil der ungefähr fünfstündigen Überfahrt durch den wunderschönen Stockholmer Schärengarten, sodass man sich am besten einen schönen Platz auf dem Sonnendeck oder in einer der Lounges sucht und die tolle Aussicht genießt. Mich hat wirklich überrascht, was es an Bord der Viking Lines alles gibt: von mehreren Restaurants, Bars und Casinos über riesige Duty-free-Shops bis hin zum Spa mit Meerblick ist alles vorhanden!



Unterkunft
Da ich während meiner Woche auf Åland verschiedene Ecken erkunden wollte, hatte ich drei Unterkünfte auf verschiedenen Inseln:
Das familiengeführte Park Alandia Hotell (3 Norra Esplanadgatan, Mariehamn 22100) in Mariehamn ist ein relativ großes, frisch renoviertes und sehr schönes Hotel. Es liegt direkt an den Esplanaden, einer von Lindenbäumen gesäumten Allee, und nur ein paar Meter von der Fußgängerzone entfernt. Auch der Fährhafen und alle von mir besuchten Sehenswürdigkeiten in Mariehamn waren bequem zu Fuß zu erreichen. Hinter dem Hotel gibt es für Gäste einen kostenlosen Parkplatz, was sehr praktisch war. Das Hotel verfügt außerdem über einen Pool und eine Sauna, allerdings mit etwas eingeschränkten Öffnungszeiten, sowie ein sehr gutes Restaurant (s. Essen & Trinken weiter unten). Hier war ich insgesamt vier Nächte.
Auch wenn man die Insel Föglö von Mariehamn aus auch bei einem Tagesausflug besuchen könnte, wollte ich unbedingt im Gästhem Enigheten (Tingsvägen, Föglö 22710) übernachten: Der wunderschöne Hof nicht weit von der Anlegestelle Degerby wurde bereits 1625 gegründet, als Föglö ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg zwischen Stockholm und Turku war. Die heutigen Gebäude stammen größtenteils aus dem 18. Jahrhundert und sind sehr gemütlich mit Antiquitäten eingerichtet. Es gibt Zimmer in unterschiedlichen Größen und Kategorien, alle jedoch ohne eigenes Badezimmer. Zum Gasthof gehört ein eigener Bootsanleger, ein Badesteg, ein Saunahaus sowie ein Restaurant mit Tagesgerichten. Das Frühstücksbuffet ist eher einfach, aber sehr lecker. Hier habe ich außerdem die besten Ålandspannkaka meiner Reise gegessen! Im Gästhem Enigheten war ich eine Nacht.
Für die Übernachtung auf Kökar bietet sich das Brudhäll Hotell (Karlby 22730) an, das nur eine kurze Taxifahrt vom Fährhafen entfernt ist. Die sehr schöne Anlage ist direkt am kleinen Gästehafen, von wo aus auch die beliebten Bootsausflüge nach Källskär angeboten werden. Die Zimmer sind sehr schön und renoviert. Zum Hotel gehört ein großes Restaurant mit Terrasse direkt am Wasser: Von dem hervorragenden Frühstücksbuffet und Kaffee und Kuchen über eine Bistro-Karte mit kleinen Gerichten bis zur Abendkarte wird hier den ganzen Tag über Essen angeboten. In diesem Hotel habe ich zwei Nächte verbracht.





Unterwegs auf den Åland-Inseln
Für die doch recht dünn besiedelte Gegend mit ihren Tausenden Inseln gibt es einen hervorragenden Fähr- und Busverkehr von Ålandstrafiken. Die Fahrpläne der Überlandbusse und der Fähren sind aufeinander abgestimmt, bei Verspätungen wartet der Bus auf die Fähre und umgekehrt. Wer mit dem eigenen Auto oder dem Mietwagen auf eine der Inseln will, sollte die Fährüberfahrt vorab buchen, für Fußgänger ist dies nicht notwendig. Was mich am meisten überrascht hat: Für Fußgänger sind die Fähren tatsächlich kostenlos, egal wohin!
Auch die meisten der unten beschriebenen Sehenswürdigkeiten auf Fasta Åland lassen sich im Prinzip mit dem Bus erreichen, allerdings fahren die Busse nicht allzu häufig. Aus Bequemlichkeit habe ich deshalb für zwei Tage ein Auto gemietet, um nach Önningeby, Sund und Eckerö zu kommen. Auch das ist sehr einfach: Es gibt nur einen Mietwagenanbieter auf Åland, der einem das Auto auf Wunsch und ohne Aufpreis sogar zum Hafen oder ins Hotel in Mariehamn bringt! Da es auf Fasta Åland nur vier nummerierte Hauptstraßen gibt, die die wichtigsten Orte mit Mariehamn verbinden, kann man sich auch nicht groß verfahren.
Auch auf manchen der größeren Schäreninseln gibt es einen öffentlichen Nahverkehr, der oft über Sammeltaxis organisiert ist. Trotzdem ist auf den meisten Inseln ein Auto oder Fahrrad von Vorteil.
Ein bisschen Geschichte
Um Åland wirklich zu verstehen, hilft ein kurzer Blick in die Geschichte, denn kaum eine andere Region in Europa hat einen derart ungewöhnlichen Status. Jahrhundertelang gehörten die Inseln zum Königreich Schweden, bis Schweden sie 1809 nach einem verlorenen Krieg gemeinsam mit ganz Finnland an das russische Zarenreich abtreten musste. Russland begann in den 1830er Jahren mit dem Bau der gewaltigen Festung Bomarsund, die zur größten russischen Militäranlage der Ostsee werden sollte. Im Krimkrieg griff 1854 eine britisch-französische Flotte die noch unvollendete Festung an und zerstörte sie. Im anschließenden Pariser Frieden von 1856 einigten sich die Großmächte darauf, Åland zu demilitarisieren – eine Regelung, die bis heute gilt und die Inseln zu einer der ältesten entmilitarisierten Zonen der Welt macht.
Als Finnland sich 1917 von Russland löste, wollte die ganz überwiegend schwedischsprachige Bevölkerung Ålands eigentlich zu Schweden zurückkehren. Der Streit zwischen Schweden und Finnland eskalierte so sehr, dass er schließlich dem neu gegründeten Völkerbund in Genf vorgelegt wurde. Dessen Entscheidung vom Juni 1921 gilt bis heute als Musterbeispiel internationaler Konfliktlösung: Åland blieb bei Finnland, wurde aber weitgehend autonom mit eigenem Parlament, Schwedisch als einziger Amtssprache und der Fortführung der Entmilitarisierung. Am 9. Juni 1922 trat der frei gewählte Landtag zum ersten Mal zusammen – dieser Tag wird auf Åland bis heute als „Tag der Selbstverwaltung“ gefeiert.
Praktisch bedeutet die Autonomie unter anderem, dass für Ålands rund 30.000 Einwohner Finnisch in der Schule nur ein Wahlfach ist. Außerdem haben die Inseln ein eigenes Autokennzeichen, eine eigene Post samt Briefmarken und mit .ax eine eigene Top-Level-Domain. Wer heute auf den Inseln unterwegs ist, merkt ganz schnell: Åland fühlt sich weder finnisch noch schwedisch an, sondern hat über die Jahrhundert seine eigene, unverwechselbare Identität entwickelt. Trotzdem ist Åland Teil der EU und hat den Euro als Zahlungsmittel.
Mariehamn und Fasta Åland
Die Hauptinsel Fasta Åland ist mit ihren gut 50 mal 50 Kilometern überschaubar, bietet aber doch eine erstaunliche Vielfalt: natürlich wunderschöne Natur, die einzige Stadt des Archipels, interessante Museen und viel Geschichte.
Die Inselhauptstadt Mariehamn
Wie zu erwarten, ist Mariehamn mit knapp 12.000 Einwohnern eine recht übersichtliche Kleinstadt. Sie wurde erst 1861 gegründet und von Anfang an nach einem klaren, regelmäßigen Stadtplan mit geraden, breiten Straßen angelegt. Prägendstes Element sind bis heute die Esplanaden: eine breite, von Lindenbäumen gesäumte Allee, die von Ost nach West durch die Stadt führt. Mariehamn ist für mich persönlich keine besonders schöne Stadt, es gibt aber durchaus einige hübsche Ecken. Außerdem ist die Stadt ein hervorragender Ausgangspunkt für Ausflüge auf Fasta Åland und bietet eine große Auswahl an guten Hotels.
Vom östlichen Ende der Esplanaden führt die Fußgängerzone Torggatan nach Norden. In teils schönen Holzhäusern gibt es hier einige nette Geschäfte. Auch ein Abstecher ins Telegrafen, ein Mini-Einkaufszentrum mit verglastem Innenhof rund um eines der ältesten Steinhäuser der Stadt, lohnt sich.



Absolut sehenswert ist das Sjökvarteret, das Seefahrerviertel am Österhamn, nur wenige Gehminuten nördlich des Zentrums. Hier wird bis heute traditioneller Bootsbau lebendig gehalten: In mehreren Werkstätten werden Holzschiffe gebaut und instandgehalten, man kann Handwerkern und Kunsthandwerkern über die Schulter schauen und dazwischen liegen kleine Museen zu Bootsbautraditionen und Schiffsmotoren. Einige beeindruckende Segelschiffe wie die „Linden“ und die „Albanus“ liegen hier regelmäßig vor Anker, am Ende der Mole befindet sich außerdem eine schöne kleine Seefahrerkapelle. Ein absolutes Muss in Mariehamn!



Ebenfalls wunderschön ist ein Spaziergang durch das Wohngebiet südlich der Esplanaden: Vor allem entlang der Södragatan und der Mariegatan stehen noch zahlreiche Kapitänsvillen aus der Zeit um die Jahrhundertwende, die mit ihren verzierten Holzfassaden, Giebeln und Türmchen an die Ära der wohlhabenden Reeder-Familien erinnern.



Für kulturhistorisch Interessierte lohnt sich außerdem ein Besuch im Ålands Museum (1 Storagatan, Mariehamn 22100), in dem zwei Museen unter einem Dach vereint sind. Im sehr schön gemachten Kulturhistoriska Museum bekommt man einen guten Überblick über die Geschichte und das Leben auf den Inseln, von den ersten Robbenjägern bis zur Autonomie. Das Konstmuseum präsentiert in wechselnden Ausstellungen Künstler aus Åland oder mit Bezug zu den Inseln, bei meinem Besuch waren Gemälde von Victor Westerholm zu sehen, dem Gründer der Künstlerkolonie Önningeby.
Önningeby: eine Künstlerkolonie im Grünen
Wenige Kilometer nordöstlich von Mariehamn, im kleinen Dorf Önningeby in der Gemeinde Jomala, hat sich Ende des 19. Jahrhunderts eine bemerkenswerte Künstlerkolonie gebildet. Der finnische Landschaftsmaler Victor Westerholm kaufte hier 1884 ein Sommerhaus namens Tomtebo und lud ab 1886 Jahr für Jahr befreundete Maler aus Finnland und Schweden ein, gemeinsam im Freien zu malen – ganz im Sinne des damals neuen Impressionismus, den Westerholm in Düsseldorf und Paris kennengelernt hatte. Über dreißig Künstler waren im Lauf der Zeit Teil der Kolonie, auffallend viele davon Frauen, darunter Hanna Rönnberg und Anna Wengberg. Ihre Bilder zeigen Landschaften, Dorfszenen und Porträts der lokalen Bevölkerung – und immer wieder sich gegenseitig.
Mit dem Ersten Weltkrieg löste sich die Künstlerkolonie auf. 1992 eröffnete in einem ehemaligen Stallgebäude des Bauernhofs Jonesas das sehr sehenswerte Önningebymuseet (3 Jonesasgatan, Önningeby, Jomala 22150), zu dessen Sammlung über 400 Werke der Kolonie-Künstler gehören. Zur Einstimmung wird ein Film gezeigt, der einen wunderbaren Einblick in diese besondere Zeit gibt. In weiteren Nebengebäuden des Gehöfts befinden sich eine kleine Galerie und ein Loppis, ein typisch schwedischer Secondhandladen. Das Museum ist in den Sommermonaten geöffnet, auf dem Gelände finden dann auch ab und zu Konzerte und Lesungen statt.



Jomala kyrka: Ålands älteste Kirche
Etwas nördlich von Mariehamn steht die Jomala kyrka (445 Godbyvägen, Jomala 22150), eine wirklich schöne Kirche, die St. Olof, dem Schutzheiligen von Åland, geweiht ist und als eine der ältesten Steinkirchen in ganz Skandinavien gilt. Die Kirche mit dem markanten Kirchturm entstand bereits im 13. Jahrhundert, wurde danach aber mehrfach umgebaut und erweitert.
Im Inneren sind noch Reste der einst vollflächigen Wandmalereien aus den 1280er Jahren zu sehen, auch wenn ein radikaler Umbau im 19. Jahrhundert große Teile davon zerstört hat. Auf dem Friedhof erinnert zudem Ålands einziger Auswandererstein an jene Inselbewohner, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert auswanderten und nie zurückkehrten.
Da die Kirche nur einen Katzensprung von der Hauptstraße Nr. 2 entfernt ist, bietet sie sich für einen kurzen Zwischenstopp auf dem Weg nach Eckerö oder Sund an. Geöffnet ist sie in den Sommermonaten von Montag bis Freitag tagsüber, sonst nur sonntags zum Gottesdienst.


Sund: Ein Tag im Osten von Fasta Åland
Die Gemeinde Sund im Osten von Fasta Åland vereint gleich mehrere der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Archipels und lässt sich gut an einem Tag erkunden.
Mittelpunkt ist Kastelholms Slott (5 Tosarbyvägen, Kastelholm 22520), Ålands einzige mittelalterliche Burg, die 1388 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Zur Zeit des schwedischen Königreichs, als Åland mitten im Herrschaftsgebiet der schwedischen Krone lag, residierten hier immer wieder hochrangige Gäste: Gustav Vasa und sein Sohn Herzog Johann ebenso wie später König Erik XIV., Gustav Vasas ältester Sohn, der im Herbst 1571 zusammen mit seiner Frau Karin Månsdotter zeitweise auf der Burg gefangen gehalten wurde.
Ursprünglich lag das Schloss auf einer vollständig von Wasser umgebenen Insel, durch die Landhebung grenzt es heute nur noch auf zwei Seiten ans Wasser. Die Burg wurde durch Kriege und Brände mehrfach beschädigt und nach einem verhängnisvollen Brand im Jahr 1745 schließlich aufgegeben. Inzwischen sind große Teile der Burg rekonstruiert und in der Sommersaison als Museum geöffnet. Es gibt Einzel- und Familientickets, in Kastelholms Slott gilt aber auch das Sommerticket von Ålands Museum (s. Tipps & Tricks weiter unten).



Direkt neben dem Schloss liegt das Freilichtmuseum Jan Karlsgården, das einen tollen Eindruck davon vermittelt, wie das Leben auf einem åländischen Bauernhof im 19. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Das Museum wurde Anfang der 1930er Jahre nach Vorbild des Skansen in Stockholm gegründet und erhielt seinen Namen durch den Bauernhof Jan Karls in Finström, dessen Wohnhaus hierher versetzt wurde. Insgesamt wurden über 30 Wohn- und Arbeitsgebäude aus ganz Åland zusammengetragen, inklusive Bootshaus, Mühlen und Mittsommerstange.
Das Freilichtmuseum ist im Sommer täglich geöffnet, dann können einige Häuser auch von innen besichtigt werden und die Mitarbeiter in traditionellen Kostümen geben gerne Auskunft über das Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof im 19. Jahrhundert. Da das Museum weder Eintritt kostet noch eingezäunt ist, kann das Gelände aber auch außerhalb der Öffnungszeiten das ganze Jahr über erkundet werden! Direkt daneben gibt es mit der Åland Distillery und Smakbyn außerdem sehr gute Einkehrmöglichkeiten (s. Essen & Trinken weiter unten).



Nur ungefähr 10 Fahrminuten entfernt liegen die Ruinen der Festung Bomarsund (Bomarsund 22530), deren Geschichte eng mit Ålands Vergangenheit als russischer Außenposten verbunden ist. Zwischen 1830 und 1854 ließ das russische Zarenreich hier eine gewaltige Festungsanlage errichten, die als strategischer Stützpunkt zur Kontrolle der nördlichen Ostsee für bis zu 5.000 Soldaten gedacht war. Fertig wurde die Anlage nie: Im Krimkrieg im August 1854 griff eine britisch-französische Flotte die zur Hälfte vollendete Festung an und zerstörte sie fast vollständig.
Auf dem 870 Hektar großen Gelände sind die halbrunden Ruinen von Hauptfestung und Wachtürmen erhalten und können kostenlos besichtigt werden. Vor der Besichtigung der Ruinen lohnt sich ein Abstecher ins moderne Besucherzentrum: Anhand von Filmen und Exponaten erfährt man hier sehr viel über die Geschichte von Bomarsund. Das Besucherzentrum ist im Sommer täglich geöffnet, auch hier gilt das Sommerticket von Ålands Museum (s. Tipps & Tricks weiter unten). Die Ruinen können das ganze Jahr über besucht werden.



Eckerö und der Westen von Fasta Åland
Ganz im Westen der Hauptinsel liegt Eckerö, Ålands westlichste Gemeinde und somit auch der Ort mit der kürzesten Entfernung zur schwedischen Küste. Kein Wunder also, dass Eckerö historisch schon immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Im Hauptort Storby steht das imposante Eckerö Post & Tullhus (111 Sandmovägen, Storby 22270), eines der eindrucksvollsten Gebäude Ålands. Bereits 1636 richtete die schwedische Königin Kristina eine Postroute zwischen Schweden und Finnland ein und Storby wurde zu einer wichtigen Zwischenstation auf dem Weg von Stockholm nach Turku. Nachdem Schweden 1808/09 den Krieg gegen Russland verloren hatte und Åland an das Zarenreich fiel, war Eckerö plötzlich der westlichste Außenposten Russlands und die alte Poststation musste entsprechend repräsentativ ausgebaut werden. 1828 entstand nach Plänen von Carl Ludwig Engel, der auch große Teile von Helsinki geprägt hat, der heute noch gelb leuchtende Bau im neoklassizistischen Stil.


Heute beherbergt das Gebäude ein Museum, das den Sommer über täglich geöffnet ist. Im Erdgeschoss ist eine sehr interessante Ausstellung über die Geschichte des Post- und Zollwesens zu sehen, im Obergeschoss finden Kunstausstellungen statt. Auf einem Teil der Fläche werden Kunsthandwerks- und Designobjekte aus der Sammlung des Ålands Museum gezeigt, im restlichen Obergeschoss waren im Sommer 2026 Mode und Inneneinrichtung aus recycelten Textilien zu sehen, hauptsächlich entworfen von åländischen Künstlern. Auch hier gilt das Sommerticket von Ålands Museum (s. Tipps & Tricks weiter unten).



Nur ein paar Minuten mit dem Auto oder einen kurzen Spaziergang entfernt liegt Käringsund (Fiskeläge, Eckerö 22270), ein malerisches, seit dem Mittelalter bestehendes Fischerdorf mit Dutzenden Bootshäusern. Ein wunderschönes Fotomotiv! Am Hafen vorbei entlang der felsigen Landzunge gelangt man zu einem schönen kleinen Leuchtturm, von dem aus man einen tollen Blick auf die Bucht von Käringsund, das Fischerdorf und die Ostsee hat.





Entlang der Hauptstraße Nr. 1 Richtung Mariehamn bietet sich wieder ein kurzer Zwischenstopp bei einer sehr schönen Kirche an, der Eckerö kyrka (740 Eckerövägen, Eckerö 22270) im Dorf Kyrkoby. Die Dorfkirche stammt vermutlich aus dem späten 13. Jahrhundert, war damals aber nicht mehr als eine kleine Seefahrerkapelle, die dann im Lauf der Zeit mehrfach erweitert wurde.



Die Schäreninseln
Auch wenn Fasta Åland schon sehr viel bietet: Das wirklich Besondere an dem Archipel sind natürlich die größeren und kleineren Schäreninseln, die teils über Brücken oder mit der Fähre, teils nur mit dem eigenen Boot erreichbar sind. Die über 6.700 Inseln sind recht unterschiedlich und eine Auswahl zu treffen war nicht leicht. Unter den Kriterien, dass die Inseln relativ einfach mit Bus und Fähre erreichbar sein sollen und Aktivitäten bieten, die ohne eigenes Fortbewegungsmittel machbar sind, fiel meine Wahl schließlich auf Föglö und Kökar.
Föglö: das alte Herz des Archipels
Einst führte die Segelroute zwischen Stockholm und Turku direkt an Föglö vorbei und machte damit Degerby, den Hauptort der Insel, jahrhundertelang zur wichtigsten Gemeinde des Archipels. Noch 1920 lebten hier mehr Menschen als in Mariehamn! Die meisten Bewohner waren Zöllner, Lotsen, Kauf- und Seeleute und entsprechend wohlhabend, was man dem Ort auch heute noch ansieht.



Föglö liegt der Hauptinsel am nächsten und ist daher gut mit der Fähre von Svinö in Lumparland zu erreichen. Die Überfahrt nach Degerby, die man nicht im Voraus buchen kann, dauert gerade einmal eine halbe Stunde, der Bus von Mariehamn zum Fähranleger ist genauso lange unterwegs – ein Ausflug nach Degerby ist von Mariehamn aus also auch gut an einem Tag machbar. Trotzdem lohnt es sich, etwas mehr Zeit dort zu verbringen: Degerby ist nämlich der perfekte kleine Urlaubsort!



Vom Fähranleger sind es nur ein paar Meter bis zum Ortskern und dem Gästehafen. Neben mehreren kleinen Loppis, den typisch schwedischen Secondhandläden, gibt es hier eine Bücherei mit Kunstausstellung und zwei kleine Museen. Das Föglömuseet in einem früheren Zoll- und Lagerhaus direkt am Hafen gibt jeden Sommer Einblicke in das einstige Leben auf der Insel, mit vielen Fotos und persönlichen Geschichten (leider nur auf Schwedisch). Ein paar hundert Meter weiter Richtung Restaurant Seagram steht das Wahrzeichen der Gemeinde und ein sehr schönes Fotomotiv: das ehemalige Lotsenhäuschen. Das weiße Holzhaus aus dem Jahr 1850 ist noch genauso eingerichtet, wie die Lotsenstation bis 1968 betrieben wurde. Beide Museen sind in der Hochsaison bis abends geöffnet, verlangen keinen Eintritt und funktionieren auf Vertrauensbasis, völlig ohne Personal.



Die Straßen rund um den Dorfplatz sind gesäumt von wunderschönen Holzhäusern mit sehr gepflegten, üppig bepflanzten Gärten. Ein schöner Spaziergang führt entlang der Straße Tingsvägen bis zum Gästhem Enigheten (s. Unterkunft weiter oben), immer parallel zur Küste mit tollen Ausblicken auf die Schärenwelt. Für den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten auf Föglö ist ein Auto oder zumindest ein Fahrrad notwendig.
Kökar: Finnlands südlichste Gemeinde
Kökar wirkt komplett anders als das grüne Föglö. Die Gemeinde, die aus zahlreichen Inseln und Schären besteht, liegt ganz im Süden des åländischen Schärengartens, fast drei Stunden mit der Fähre von Långnäs auf Fasta Åland entfernt. Die Inseln sind rauer, karger und sehr dünn besiedelt: Nur rund 230 Menschen leben hier! Allzu viel zu sehen gibt es hier nicht, aber im sehr schön gelegenen Brudhäll Hotell (s. Unterkunft weiter oben) lässt es sich wunderbar entspannen. Der eigentliche Grund für meinen Aufenthalt auf Kökar war aber der Bootsausflug auf die ein Stück weiter südlich gelegene unbewohnte Schäreninsel Källskär.


Källskär ist eine sehr karge, felsige Insel am südlichen Rand des Archipels, auf der es durch die Lage am offenen Meer immer recht windig ist. Hier wächst hauptsächlich Moos und Heide, weshalb es umso erstaunlicher ist, was Göran Åkerhjelm auf der Insel über Jahrzehnte geschaffen hat.



Der exzentrische schwedische Freiherr verliebte sich 1958 in die unbewohnte Insel und verbrachte hier bis 1983 jeden Sommer. 1965 kaufte er den mittleren Teil der Insel und ließ dort nach und nach mehrere Blockhäuser errichten. Rund um das größte Blockhaus, in dem er selbst gelebt hat, ließ er einen mediterran inspirierten Garten mit Rosen, Rhododendren, Weinstöcken und mehreren griechischen Marmorstatuen anlegen – ein überraschendes kleines Paradies inmitten der rauen Felsenlandschaft. Um dieses Vorhaben auf der kargen Insel umzusetzen, ließ er von Helfern aus Kökar eimerweise Erde nach Källskär karren.



Der Bootsausflug führt im Sommer täglich vom Brudhäll Hotell aus durch die wunderschöne Schärenwelt nach Källskär. Unterwegs sieht man viele Vögel, wir konnten sogar aus der Nähe einen Adler beobachten. Auf Källskär angekommen, macht das Boot recht abenteuerlich einfach an einem Pfosten auf einem Felsplateau neben einem kleinen Strand fest. Von dort führt der Kapitän die Gruppe wirklich über Stock und Stein zu verschiedenen schönen Orten auf der Insel: Es geht über schmale Trampelpfade durch die Heide und über kleinere und größere Steine zu Aussichtspunkten, verschiedenen Blockhäusern und zur Hermes-Statue. An jedem Stopp erzählt er etwas über den Freiherrn und was er auf Källskär alles geschaffen hat. Der letzte und auch längste Stopp ist an dem schönen Garten rund um Åkerhjelms Blockhaus, das auch von innen besichtigt werden kann. Über dem Kamin im Wohnzimmer hängt ein Bild, das die finnische Mumin-Autorin Tove Jansson gemalt hat, die zusammen mit ihrer Partnerin oft Zeit auf der Insel in einem Blockhaus oberhalb des Haupthauses verbracht hat.






1984 schenkte Åkerhjelm seinen gesamten Besitz auf der Insel Källskär der Landesregierung Ålands. Seither ist Källskär ein beliebtes, aber wegen des unwegsamen Geländes nur im Rahmen geführter Bootsausflüge zugängliches Ausflugsziel. Für den Besuch sind feste Schuhe, Trittsicherheit und ausreichend Kondition für einen ungefähr 2-stündigen Spaziergang über unbefestigte Wege notwendig. Es ist außerdem ratsam, auch Snacks, Wasser und Mückenschutz mitzunehmen.
Essen & Trinken
Mariehamn: Ein Abendessen im Kvarter5 (10 Norragatan, Mariehamn 22100), dem Restaurant des Hotel Pommern, ist sehr zu empfehlen. In gehobenem, aber entspanntem Ambiente treffen nordische Zutaten auf Einflüsse aus aller Welt, das Küchenteam kocht dabei so weit wie möglich mit lokalen Produkten.
Mariehamn: Auch im gerade erst frisch renovierten Restaurant des Park Alandia Hotell (3 Norra Esplanadgatan, Mariehamn 22100), habe ich sehr gut gegessen. Das Restaurant ist hauptsächlich bekannt für sein Spiced Beef, aber auch Fisch und verschiedene Bistrogerichte stehen auf der kleinen Karte. Für Sommerabende gibt es eine schöne Terrasse direkt an den Esplanaden.
Mariehamn: Mit Cafés ist es in hier so eine Sache. Ich habe in Mariehamn nicht viele schöne Cafés gefunden und die paar, die es gibt, hatten selbst in der Hauptsaison ziemlich eingeschränkte Öffnungszeiten. Sehr schön ist aber das Bagarstugan (2 Ekonomiegatan, Mariehamn 22100): Das gemütliche Café verteilt sich über mehrere mit Antiquitäten eingerichtete Räume und einen kleinen Garten, angeboten werden selbstgemachte Kuchen und kleine Gerichte.
Sund/Fasta Åland: Gleich neben Kastelholms Slott und Jan Karlsgården hat der bekannte åländische Fernsehkoch Micke Björklund mit dem Smakbyn (134 Slottsvägen, Kastelholm 22520) ein ganzes „Dorf des (guten) Geschmacks“ geschaffen. Dazu gehören neben dem Restaurant auch ein Laden mit lokalen Delikatessen, eine Keramikwerkstatt, eine Brennerei sowie Räume für Verkostungen und Kochkurse. Im Restaurant wird großen Wert auf frische, regionale und saisonale Küche gelegt.
Degerby/Föglö: Auf Föglö ist das Restaurang Seagram (Lotuddsvägen, Degerby 22710) mit seiner großen, schönen Terrasse direkt am Wasser sehr zu empfehlen. Auf der Karte stehen Fischspezialitäten, es gibt aber auch verschiedene Bistrogerichte und Pizza.
Tipps & Tricks
Die Website von Visit Åland bietet einen super Überblick zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Shopping etc. auf den Åland-Inseln. Hier sowie im umfangreichen Reiseführer des Verlags Edition Elch (inzwischen leider vergriffen) habe ich mich bei der Planung meiner Reise informiert und viele tolle Tipps gefunden.
Bei einem Urlaub auf den Åland-Inseln muss man auf jeden Fall Ålandspannkaka probieren! Das typische Dessert des Archipels ist ein mehrere Zentimeter dicker, mit Kardamom gewürzter Pfannkuchen aus Grieß, der mit Pflaumen- oder Beerenkompott und Sahne serviert wird. Der Pfannkuchen wird überall ein bisschen anders zubereitet, ist aber immer ausgesprochen lecker.
Für sechs Museen auf Fasta Åland (Ålands Kulturhistoriska Museum, Ålands Konstmuseum, Kastelholms Slott, Gefängnismuseum Vita Björn, Besucherzentrum Bomarsund und Eckerö Post & Tullhus) gibt es in den Sommermonaten ein Sommerticket, das ab dem ersten Besuch zwölf Monate gültig ist und zum einmaligen Besuch der beteiligten Museen berechtigt. 2026 war es für 20 Euro in den beteiligten Museen erhältlich.