Schweden wie aus dem Bilderbuch: ein Kurztrip durch Sörmland südlich von Stockholm

Schweden wie aus dem Bilderbuch: ein Kurztrip durch Sörmland südlich von Stockholm

Nur eine kurze Zugfahrt von Stockholm entfernt liegt eine Region, in der Schweden so idyllisch wie in einem Inga-Lindström-Film wirkt: Sörmland! Die historische Provinz erstreckt sich vom Südufer des Mälaren bis zur Ostseeküste und verbindet charmante Kleinstädte, Schlösser und malerische Küstenorte mit viel Natur und Geschichte. Durch die gute Anbindung an Stockholm lässt sich vieles in Sörmland bei einem Tagesausflug aus der Hauptstadt entdecken. Es gibt hier aber so viel zu sehen, dass man auch leicht ein paar Tage in der zauberhaften Region verbringen kann!

Inhaltsverzeichnis

Unterkunft

Aufgrund der strategisch günstigen Lage zwischen Eskilstuna und Mariefred und der hervorragenden Anbindung an Stockholm, habe ich mich bei meinem Besuch in Sörmland für eine Unterkunft in Strängnäs entschieden. Das gemütliche Hotell Laurentius (Östra Strandvägen 12, 645 30 Strängnäs) liegt sehr schön, nur wenige Schritte vom Ufer des Mälaren entfernt. Auch der Dom, die historischen Altstadtgassen und der Bahnhof sind von dem charmanten, familiär geführten Hotel in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Die Zimmer sind im klassischen skandinavischen Stil eingerichtet, morgens erwartet die Gäste ein liebevoll zubereitetes Frühstücksbuffet für den perfekten Start in den Tag.

Bilderbuch-Idylle am Mälaren: ein Spaziergang durch Strängnäs

Wer auf der Suche nach einer beschaulichen Kleinstadt mit viel schwedischer Geschichte ist, wird in Strängnäs schnell fündig. Die charmante Bischofsstadt liegt direkt am Südufer des Mälaren ungefähr eine Stunde westlich von Stockholm und strahlt ein sehr gemütliches Flair aus. Schon von Weitem prägt der ab dem 13. Jahrhundert erbaute Dom zu Strängnäs (Kyrkbrinken 9, 645 30 Strängnäs) die Silhouette des Ortes. Die imposante Backsteinkathedrale gilt als eine der bedeutendsten Nordeuropas. Im Inneren lohnt sich vor allem der Blick auf den flämischen Flügelaltar, den Bischof Kort Rogge um 1490 stiftete und der zu den größten Schwedens zählt, sowie auf die Jugendstilausstattung aus der Zeit der umfassenden Restaurierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch historisch ist der Ort bedeutsam: Am 6. Juni 1523 wurde hier Gustav Vasa zum König gewählt, weshalb bis heute der schwedische Nationalfeiertag an diesem Tag begangen wird.

Auf dem Domkyrkoberget, dem Gelände rund um die Kathedrale, stehen weitere prächtige Gebäude, die ebenfalls im Besitz des Bistums sind bzw. waren, allen voran die Roggeborgen. Dieser ehemalige Bischofspalast wurde im 15. Jahrhundert von Bischof Kort Rogge errichtet, beherbergte dann jahrhundertelang eines der ersten Gymnasien Schwedens und ist heute ein Standort der Königlichen Bibliothek. Nach dem Dombesuch lohnt sich ein Bummel durch die kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt. Besonders schön sind die Gyllenhjelmsgatan und die Lillgatan mit ihren hübschen roten Holzhäusern!

Spaziert man nun von der Lillgatan nach Norden in Richtung Mälaren, so kommt man vorbei am Café Grassagården (s. Essen & Trinken weiter unten) und anschließend über die Västerviksgatan oder die Kvarngatan mit weiteren schönen Holzhäusern zum nächsten Wahrzeichen der Stadt: der Windmühle (Kvarngatan 11, 645 30 Strängnäs) auf dem Kvarnkullen. Die wunderschöne Mühle mit sechs Flügeln nach holländischem Vorbild stammt aus dem Jahr 1855 und steht heute unter Denkmalschutz. Im Sommer ist die Mühle regelmäßig geöffnet, es werden auch Führungen angeboten. Zum Abschluss der Stadtbesichtigung geht es vorbei am Yachthafen mit seinen zahlreichen Restaurants auf die gegenüberliegende Halbinsel Visholmen. Dort hat man vom Uferweg einen traumhaften Blick auf den Hafen und die Stadt mit Kirchturm und Windmühle, außerdem gibt es hier eine Badestelle, eine Minigolfanlage und einen Spielplatz.

Strängnäs ist von Stockholm aus bequem mit dem Zug erreichbar. Der sehr komfortable Regionalzug Mälartåg verkehrt stündlich und braucht für die Strecke ungefähr 45 Minuten. Vom Bahnhof gelangt man zu Fuß in rund 10 Minuten ins Zentrum.

Mariefred: Ausflug zum Märchenschloss Gripsholm

Mariefred ist ein kleiner, malerischer Ort am Mälaren, südöstlich von Strängnäs. Im gut erhaltenen Zentrum gibt es schöne Geschäfte, Restaurants und Cafés. Absolute Hauptattraktion ist jedoch das märchenhafte Schloss Gripsholm, das mit seinen majestätischen Backsteintürmen auf einer kleinen Insel im Mälaren thront. Die Wurzeln der Burg reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, ihr heutiges Aussehen mit den vier runden Türmen geht aber auf Gustav Vasa zurück, der das Schloss ab 1537 erbauen ließ. Besonders sehenswert ist das Theater Gustavs III. aus dem Jahr 1782, das sich in einem der Rundtürme befindet und als eine der am besten erhaltenen Bühnen dieser Zeit gilt. Ein weiterer Höhepunkt ist die Staatliche Porträtgalerie, die als älteste Nationalgalerie ihrer Art weltweit gilt. Zu ihrer Sammlung gehören rund 5.000 Porträts, von denen ungefähr 800 im Schloss Gripsholm zu sehen sind.

Zu literarischem Ruhm kam das Schloss durch Kurt Tucholsky. Der Schriftsteller verbrachte 1929 mehrere Monate in der Nähe von Mariefred und setzte dem Schloss mit seinem Roman „Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte“ ein Denkmal. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten konnte er nicht mehr nach Deutschland zurückkehren und blieb im schwedischen Exil. Nach seinem Tod 1935 wurde er auf dem Friedhof von Mariefred beigesetzt, wo sein Grab noch heute besucht werden kann.

Wer gerne Süßes mag, sollte unbedingt noch einen Abstecher zum nahegelegenen Schloss Taxinge einplanen. Das Schloss ist weit über die Region hinaus als „Kakslottet“, also als „Kuchenschloss“ bekannt: Auf die Gäste wartet ein spektakuläres Kuchen- und Tortenbuffet, das als das größte Nordeuropas gilt und mit sage und schreibe 65 verschiedenen Sorten Gebäck aller Art beeindruckt! Kaffee und Kuchen genießt man in der Schlossbibliothek, bei schönem Wetter auch im Schlosspark mit Blick auf den Mälaren. In den Nebengebäuden des Schlosses gibt es mehrere kleine Läden, in denen Geschenkartikel und Kunsthandwerk verkauft wird. Auch Kunstausstellungen finden dort statt.

Besonders schön ist die Anfahrt von Mariefred nach Taxinge im Sommer mit der historischen Schmalspur-Museumsbahn: An ausgewählten Tagen zwischen Mai und September geht es vom alten Bahnhof bei Schloss Gripsholm per Dampflok über Läggesta nach Taxinge, von dort führt ein kurzer Spaziergang zum Schloss. Für den Rückweg kann man an manchen Tagen das Dampfschiff S/S Mariefred nutzen. Hierfür werden auch Kombitickets angeboten.

Schloss Gripsholm ist im Sommer täglich, im Winter nur zu bestimmten Anlässen geöffnet. Das Schlosscafé Taxinge hat das ganze Jahr über geöffnet, zwischen Oktober und April jedoch nur am Wochenende. Von Strängnäs fahren verschiedene Buslinien direkt nach Mariefred, von Stockholm nimmt man den Mälartåg bis „Läggesta“ und von dort aus den Bus.

Tradition trifft Moderne: Kultur und Industrie in Eskilstuna

Eskilstuna hat mich wirklich überrascht: In Sörmlands größter Stadt verbinden sich Industriegeschichte und Kultur auf ganz harmonische Weise und es gibt sehr viel zu entdecken. Hier hätte ich gut noch einen weiteren Tag verbringen können!

Ein guter Startpunkt für die Stadtbesichtigung sind die Rademachersmedjorna (Rademachergatan 44, 632 17 Eskilstuna), ein kleines Freilichtmuseum im Zentrum mit mehreren Häusern aus dem 17. Jahrhundert, die als die ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt gelten. Hier waren einst mehrere Schmieden angesiedelt, in denen jahrhundertelang Eisenartikel wie Messer, Scheren, Nägel und Schlösser gefertigt wurden. Neben einer Museumsschmiede findet man heute auf dem Gelände die Werkstätten und Ateliers mehrerer Kunsthandwerker und Künstler. Ein wirklich schöner Ort!

Geht man von hier aus nur ein paar Meter weiter nach Norden, so steht man am Fluss Eskilstunaån, der durch mehrere Wasserkraftwerke und historische Dämme reguliert und aufgestaut wird und in diesem Bereich deshalb fast wie ein See wirkt. Über Brücken und Inseln gelangt man ins sehr lebendige Viertel Munktellstaden, ein Kulturquartier am nördlichen Flussufer. In dem ehemaligen Industrieareal mit roten Backsteinbauten befinden sich heute mehrere Museen, Theater, Sportarenen, ein Hotel und eine Brauerei.

Eines der Museen ist das Munktellmuseet (Munktellsgatan 3, 633 43 Eskilstuna), eine der größten Attraktionen der Stadt. Johan Theofron Munktell eröffnete hier 1832 eine mechanische Werkstatt, aus der später Bolinder-Munktell, Volvo VM und schließlich Volvo Construction Equipment hervorgingen, die das Museum bis heute betreiben. Es erzählt rund 180 Jahre schwedischer Industriegeschichte und zeigt unter anderem einen Nachbau der ersten schwedischen Dampflokomotive, Traktoren und Baumaschinen. Das Besondere: Hier darf man auf einige Fahrzeuge klettern und sich hineinsetzen, was vor allem bei jungen Besuchern sehr beliebt ist.

Auch Eskilstuna ist von Stockholm stündlich mit dem Regionalzug Mälartåg zu erreichen, die Fahrt dauert eine Stunde.

Trosa: malerischer Badeort am „Ende der Welt“

An der Ostseeküste, ungefähr siebzig Kilometer südlich von Stockholm, liegt das bezaubernde Städtchen Trosa, einer der malerischsten Orte Sörmlands. Weil früher nur eine einzige Straße in den Ort führte und diese am Hafen endete, hat Trosa auch den Spitznamen „Världens ände“, das Ende der Welt. Dafür ist in der Kleinstadt aber ganz schön was los! Nachdem hier jahrhundertelang ein bedeutender Fischereihafen war, entwickelte sich Trosa bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Badeort, was sich auch heute noch an den vielen schönen Holzhäusern aus der Zeit der Jahrhundertwende zeigt.

Besonders schön ist es in den kopfsteingepflasterten Gassen rund um den Marktplatz: Hier gibt es zahlreiche kleine Boutiquen, eine der ältesten Buchhandlungen Schwedens und viele nette Cafés. Perfekt für einen Stadtbummel! Auch der Marktplatz selbst ist besonders, denn er erstreckt sich über die Marktplatzbrücke auf beiden Seiten des Flusses Trosaån. Im Anschluss an den Stadtbummel lässt es sich gemütlich die Flusspromenade entlang zum Hafen flanieren. Rechts und links ist der Fluss von wunderschönen pastellfarbenen Holzhäusern mit gepflegten Vorgärten gesäumt, vor praktisch jedem Haus liegt ein Boot und immer wieder verbinden kleine Brücken die beiden Seiten der Promenade – sehr idyllisch! Auch im Hafen gibt es einige kleine Läden und Restaurants, außerdem legen hier im Sommer die Ausflugsschiffe zu den umliegenden Schäreninseln ab. Trosa ist das perfekte Ziel für einen schönen Tagesausflug!

Von Stockholm aus kommt man am einfachsten mit dem Direktbus nach Trosa. Von der U-Bahnstation „Liljeholmen“ (rote Linien) im Süden der Stadt beträgt die Fahrtzeit nach Trosa ungefähr eine Stunde. Von Strängnäs und Eskilstuna fährt man am besten mit dem Regionalzug Mälartåg bis „Södertälje Syd“ und von dort aus mit der Buslinie 802 nach Trosa.

Essen & Trinken

Strängnäs: Versteckt in einem der ältesten und am besten erhaltenen Bürgerhöfe der Stadt fühlt man sich im Café Grassagården (Kvarngatan 2, 645 30 Strängnäs) wie in eine andere Zeit versetzt. Zwischen historischen Holzhäusern aus dem 17. Jahrhundert genießt man im idyllischen Innenhof klassisches schwedisches Gebäck, hausgemachte Kuchen und leichte Gerichte. Ein wunderbarer Ort für eine traditionelle Fika!

Strängnäs: Wer in Strängnäs hervorragend essen möchte, findet im Restaurang Naskovit (Hospitalsgatan 17, 645 30 Strängnäs) eine erstklassige Adresse. Das Restaurant begeistert mit einer modernen, kreativen Küche, die regionale skandinavische Zutaten gekonnt mit internationalen Einflüssen kombiniert. Die gemütliche, stilvolle Atmosphäre und die sorgfältig zusammengestellte Speisekarte machen es zum perfekten Ort für ein rundum gelungenes Abendessen.

Taxinge: Das Taxinge Slottscafé (Näsby 52, 155 93 Nykvarn) ist weit über die Region hinaus als „Kakslottet“, also als „Kuchenschloss“ bekannt: Auf die Gäste wartet ein spektakuläres Kuchen- und Tortenbuffet, das als das größte Nordeuropas gilt und mit sage und schreibe 65 verschiedenen Sorten Gebäck aller Art beeindruckt! Kaffee und Kuchen genießt man in der Schlossbibliothek, bei schönem Wetter auch im Schlosspark mit Blick auf den Mälaren.

Trosa: Die kleine, traditionsreiche Bäckerei Nilssons bageri (Västra Långgatan 27, 619 35 Trosa) liegt am Rand des Zentrums in einer ruhigen Straße mit schönen Holzhäusern. Hier gibt es leckere Kuchen und Gebäck, aber auch Brötchen und Sandwiches.

Tipps & Tricks

Auf der Website von Visit Sörmland bekommt man einen guten Überblick zu den Sehenswürdigkeiten der Region.

Die größeren Orte in Sörmland sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Verbindungen findet man am einfachsten auf der Website von Resrobot. Für etwas abgelegenere Ziele ist jedoch ein Mietwagen zu empfehlen.

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