Zwischen Stadt und Ostsee: Ausflugsziele im Stockholmer Schärengarten

Zwischen Stadt und Ostsee: Ausflugsziele im Stockholmer Schärengarten

Idyllische rote und gelbe Holzhäuser mit eigenem Bootssteg, sanftes Wellenrauschen auf glatt geschliffenen Granitfelsen und frische Seeluft: Im Stockholmer Schärengarten zeigt sich Schweden von seiner Bilderbuchseite! Mit seinen 30.000 Inseln, Schären und Felsen zieht sich der riesige Archipel östlich der schwedischen Hauptstadt bis weit hinaus in die Ostsee und schon eine kurze Bootsfahrt genügt, um den Trubel der Großstadt hinter sich zu lassen. Ob als entspannter Nachmittagsausflug oder als längere Entdeckungstour – der Schärengarten hat für jeden etwas zu bieten. Das Beste daran: Viele der Inseln sind ganz bequem von der Stadt aus mit der Fähre oder dem Bus zu erreichen. Diese einzigartige Kombination aus Großstadtleben und Inselfrische ist einer der Gründe, warum ich immer wieder so gerne nach Stockholm zurückkehre!

Inhaltsverzeichnis

Das Tor zum Schärengarten: ein Ausflug nach Fjäderholmarna

Wer nur wenig Zeit hat und trotzdem einen Eindruck vom Stockholmer Schärengarten bekommen möchte, ist auf Fjäderholmarna genau richtig! Die kleine Inselgruppe, die zum königlichen Nationalstadtpark gehört, liegt nur knapp einen Kilometer östlich von Djurgården und ist somit vom Stadtzentrum der Metropole nur 20 bis 30 Bootsminuten entfernt. Dennoch ticken hier die Uhren spürbar langsamer und schon beim Anlegen fühlt man sich wie im Bilderbuch-Schweden: Rote Holzhäuser, Bootsstege, Kiefern und Möwen prägen das Bild.

Rund um den Hafen reihen sich verschiedene Restaurants (s. Essen & Trinken weiter unten) aneinander, auf der nur wenige Gehminuten entfernten Südseite der kleinen Insel dominiert dagegen das Kunsthandwerk: In mehreren kleinen Werkstätten und Geschäften gibt es Keramik, Glas, handgewebte Textilien und weitere schöne Mitbringsel zu kaufen, in manchen Ateliers werden zusätzlich auch Workshops angeboten. Auch wenn auf Fjäderholmarna an schönen Sommertagen ganz schön was los sein kann, findet sich doch immer wieder ein ruhiges Plätzchen, von dem aus man zwischen Granitfelsen und Bäumen den Blick auf die Stadt und die vorbeiziehenden Schiffe genießen kann.

Fjäderholmarna ist nur mit dem Schiff erreichbar und wird zwischen Mai und September mehrmals täglich ab Strandvägen und Slussen von Strömma und Fjäderholmslinjen angefahren. Tickets sollte man am besten bereits vorab online kaufen.

Vaxholm: das malerische Zentrum des Stockholmer Archipels

Vaxholm gilt als die inoffizielle Hauptstadt des Schärengartens und das meiner Meinung nach völlig zu Recht! Die charmante Kleinstadt liegt auf einer Insel nordöstlich von Stockholm und besticht durch ein malerisches Stadtbild, das von bunten Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert, kopfsteingepflasterten Gassen und üppig bepflanzten Gärten geprägt ist. Bisher mein absoluter Lieblingsort im Schärengarten und zu jeder Jahreszeit ein lohnenswertes Ziel!

Am Hafen von Vaxholm ist immer was los: Die Insel ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Schärenboote, denn von hier bestehen Verbindungen in den nördlichen Teil des Archipels, zu größeren Inseln wie Finnhamn und Möja sowie zu vielen kleinen Inseln rund um Vaxholm. Überragt wird das Treiben am Hafen von der imposanten Festung Vaxholm, die im 16. Jahrhundert von König Gustav Vasa zur Verteidigung Stockholms erbaut wurde und gegenüber auf ihrer eigenen kleinen Insel liegt. Direkt an der Anlegestelle markiert das Waxholms Hotell den Beginn der Hamngatan, der Hauptstraße mit vielen historischen Gebäuden, schönen Boutiquen und kleinen Restaurants.

Wem nach dem Bummel durch die schönen Läden an der Hamngatan und der Rådhusgatan nach einer Stärkung ist, der sollte unbedingt einen Abstecher an den Norrhamnen machen: Der kleine Hafen ist nicht nur einer der malerischsten Orte auf der Insel, hier befindet sich mit dem Vaxholms Hembygdsgårds Café (s. Essen & Trinken weiter unten) auch eines der tollsten Gartencafés in ganz Schweden! Zum Café gehört ein kleines Heimatmuseum, das aber nicht immer geöffnet ist. Der Norrhamnen selbst ist ein wunderschöner Fotospot: Mit den bunten Fischerhäusern und Bootsschuppen wirkt er wie aus dem Bilderbuch! Spaziert man von hier aus die idyllische Fiskaregatan und Cronhamns gata entlang, so kommt man auf dem Weg zurück zur Anlegestelle an vielen weiteren hübschen Fotomotiven und dem sehr schönen Concept Store „Magasinet“ (Fiskaregatan 1, 185 32 Vaxholm) vorbei.

Wer etwas mehr Zeit zur Erkundung der Insel hat, kann sich am Norrhamnen auch ein Kanu mieten oder sich an einem der vielen schönen Badeplätze entspannen. Besonders schön finde ich das Norrbergsbadet! Vom Vaxholms Hembygdsgårds Café führt ein Weg direkt am Wasser entlang dorthin. Unterwegs gibt es immer wieder Bänke, von denen aus man die Aussicht auf die Schärenlandschaft und die vielen Boote genießen kann.

Ebenfalls einen Besuch wert ist das Roddarhuset (s. Essen & Trinken weiter unten) an der Südküste der Insel. In der Galerie mit angeschlossenem Café direkt am Wasser finden wechselnde Kunstausstellungen statt.

Vaxholm ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden und somit mit dem Bus erreichbar. Von der Stockholmer Innenstadt fährt man mit der U-Bahn (rote U-Bahnlinie 14) bis „Danderyds sjukhus“ und von dort mit der Buslinie 670 weiter direkt bis nach Vaxholm. Wesentlich schöner ist jedoch die Anfahrt mit einem der zahlreichen Boote verschiedener Anbieter. Auf den Fähren von Waxholmsbolaget gelten sogar die Tickets der Stockholmer Nahverkehrsgesellschaft SL.

Artipelag: Kunst, Natur und Architektur im Schärengarten

Manchmal reicht schon ein Name, um neugierig zu werden: Artipelag ist ein Wortspiel aus „art“ und dem schwedischen „arkipelag“, also Archipel – und genau darum geht es hier, um Kunst mitten im Schärengarten! Das private Kunstmuseum (Artipelagstigen 1, 134 40 Gustavsberg) liegt ungefähr 20 Kilometer östlich von Stockholm auf der Schäreninsel Värmdö, harmonisch eingebettet in einen 22 Hektar großen Wald direkt am Wasser. Schon die Architektur des Gebäudes ist sehenswert: Große Glasfronten und naturbelassenes Holz sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen drinnen und draußen verwischen und man die umliegenden Kiefern und Felsen immer im Blick hat.

Im Artipelag finden auf 3.000 Quadratmetern wechselnde Kunst- und Designausstellungen statt. Aber auch ohne Eintrittskarte lohnt sich der Besuch, denn der umliegende Park mit den vielen Skulpturen ist frei zugänglich. Durch das Gelände schlängeln sich verschiedene Waldpfade, zusätzlich gibt es aber auch eine rund einen Kilometer lange, komplett barrierefreie Promenade aus Holz, die vom Parkplatz durch die abwechslungsreiche Schärenlandschaft bis zum Hauptgebäude führt. Nach dem Spaziergang sollte man unbedingt noch etwas Zeit für den Artipelag Design Shop mit seiner tollen Auswahl an schönen skandinavischen Lifestyle-Produkten sowie eine Fika-Pause im Café (s. Essen & Trinken weiter unten) einplanen!

Vom Drehkreuz „Slussen“ in der Stockholmer Innenstadt fährt man mit der Buslinie 474 bis zur Haltestelle „Värmdö marknad“, von dort geht es einmal stündlich weiter mit der Buslinie 468 bis zur Endstation „Hålludden“. Alternativ gibt es zu manchen Zeiten einen Shuttlebus von der Innenstadt direkt bis zum Museum sowie in den Sommermonaten auch ein Ausflugsschiff.

Gustavsberg: Porzellanhochburg auf Värmdö

Im Anschluss an den Besuch im Artipelag bietet sich ein Abstecher nach Gustavsberg an, den nur ein paar Kilometer weiter nordöstlich gelegenen Hauptort der Insel Värmdö. Der Ort ist bekannt für seine Porzellanfabrik (Chamottevägen 2, 4, 134 46 Gustavsberg), die 1825 auf dem Gelände einer alten Ziegelei entstand und in der bis heute Porzellan hergestellt wird. Die Manufaktur kann auch besichtigt werden, allerdings finden die Führungen meist nur auf Schwedisch statt.

Doch einen Einblick in die Porzellanfabrik kann man auch ohne Besuch der Produktion bekommen: Nebenan erzählt das Gustavsbergs Porslinsmuseum (Odelbergs väg 5, 134 46 Gustavsberg) anschaulich die Geschichte der Manufaktur, von den Anfängen bis zu den bekannten Designs des 20. Jahrhunderts. Auf dem Gelände rund um die alten Backsteingebäude am Hafen befinden sich außerdem Cafés, kleine Ateliers sowie der Fabrikverkauf von Gustafsberg, iittala und Rörstrand.

Von Slussen in der Stockholmer Innenstadt erreicht man das Areal mit der Buslinie 474 (Haltestelle „Gustavsbergs hamn“) in ungefähr 20 Minuten.

Sandhamn: Seglerparadies im äußeren Schärengarten

Ganz draußen im äußeren Gürtel des Schärengartens, wo die zahllosen Inseln allmählich in die weite Ostsee übergehen, liegt Sandhamn auf der autofreien Insel Sandön. Dass sich hier schon früh alles um die Seefahrt drehte, hat einen einfachen Grund: Der Hafen liegt windgeschützt, weshalb große Segelschiffe ihn bereits im 16. Jahrhundert ansteuerten. Sandhamn war Lotsenstation und Zollposten, heute ist es das Zentrum des schwedischen Segelsports und die Heimat des Königlich Schwedischen Segelclubs (KSSS). Im Sommer drängen sich im Yachthafen die Boote, dahinter reihen sich bunte Holzhäuser, gemütliche Cafés und Restaurants aneinander.

Schon wenige Schritte abseits des quirligen Hafens und des kleinen Ortskerns verändern sich Landschaft und Stimmung jedoch schlagartig: Schmale Pfade führen durch Kiefernwälder und Blaubeerfelder zu Aussichtspunkten und Stränden an der Ostsee, wo man oft fast alleine ist!

Sandhamn ist nur auf dem Wasserweg erreichbar. Im Sommer geht die Fahrt am schnellsten mit den Cinderellabåtarna, die vom Strandvägen in der Stockholmer Innenstadt über Vaxholm in rund zweieinhalb Stunden die äußere Schäreninsel erreichen. Ein wenig länger ist man mit dem Ausflugsschiff vom Stockholmer Nybrokajen durch den Strömma-Kanal unterwegs. Beide Routen sind landschaftlich äußerst reizvoll und können auch miteinander kombiniert werden. Tickets bucht man am besten vorab online. Eine ganzjährige Alternative ist es, mit dem Bus von Slussen im Zentrum bis nach Stavsnäs zu fahren (Linie 433/434) und von dort weiter mit der Fähre.

Essen & Trinken

Vaxholm: Das Vaxholms Hembygdsgårds Café (Trädgårdsgatan 19, 185 32 Vaxholm) ist für mich eines der schönsten Cafés in ganz Schweden! Es liegt direkt am Wasser und ist von einem riesigen Garten mit sehr vielen Sitzmöglichkeiten umgeben. Trotzdem kann es am Wochenende und in den Ferien ganz schön voll werden! Im Verkaufsraum steht ein großer, wunderschön dekorierter Tisch, auf dem die verschiedenen Kuchen, Torten und Kekse auf Tabletts und Etageren angerichtet sind. Man bedient sich selbst, Getränke können direkt an der Kasse bestellt werden. Nur im Frühling und Sommer geöffnet.

Vaxholm: In einem Holzhaus direkt am Wasser empfängt das Roddarhuset (Östra Ekuddsgatan 21, 185 31 Vaxholm) seine Gäste mit einer tollen Mischung aus Kunst und Genuss. Während in den Räumen regelmäßig wechselnde Ausstellungen lokaler Künstler zu sehen sind, lockt bei schönem Wetter die Terrasse mit einem traumhaften Blick auf den Schärengarten. Auf der Speisekarte stehen hausgemachtes Gebäck und leichte Gerichte.

Fjäderholmarna: Nur wenige Schritte vom Bootsanleger entfernt, lädt das traditionsreiche Restaurant Fjäderholmarnas krog (Stora Fjäderholmen, 111 15 Stockholm) mit seiner großzügigen Veranda zu einem stilvollen Essen mit Blick aufs Wasser ein. In dem renommierten Sommerrestaurant gibt es hervorragende Fischgerichte, es stehen aber auch Fleisch- und vegetarische Gerichte auf der Karte. Im Dezember wird hier außerdem ein sehr beliebtes Weihnachtsbuffet angeboten.

Värmdö: Das Bådan Café im Kunstmuseum Artipelag ist nach einem riesigen Felsen benannt, der in der Eiszeit geformt wurde und heute mitten im Café aus dem Boden emporragt. Die Gäste erwartet eine tolle Auswahl an schwedischem Gebäck, kunstvollen Törtchen und herzhaften Gerichten, das Ganze mit einem wunderschönen Panoramablick auf die Schärenlandschaft.

Tipps & Tricks

Die in Stockholm lebende niederländische Fotografin Manon Galama bietet einen sehr umfangreichen Reiseführer auf Google Maps an, der neben Tipps zu Restaurants, Museen und Fotospots in der Stadt auch jede Menge Ideen für Ausflüge in den Schärengarten bereitstellt. Absolut zu empfehlen!

Die größeren Inseln sind im Sommer alle bequem mit dem Bus der Stockholmer Nahverkehrsgesellschaft SL oder der Fähre erreichbar. Insbesondere Waxholmsbolaget hat ein sehr ausgedehntes Netz an Fährverbindungen! Bei Ausflügen zu kleineren Inseln empfiehlt es sich jedoch, vorab zu prüfen, ob das Schiff an der gewünschten Anlegestelle automatisch oder nur nach Bedarf hält.

Wer etwas mehr Zeit hat und die wunderschöne Natur im Schärengarten genießen will, dem sei der Stockholm Archipelago Trail empfohlen: Der Wanderweg zieht sich über insgesamt 270 km und 20 Inseln, ist aber in unterschiedlich lange und schwierige Abschnitte aufgeteilt, die alle per Fähre erreicht werden können.

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